„Gorillas im Nebel“ von Michael Apted

Zwei Geschichten. Die eine erzählt der Film. Sie handelt von der schönen, jungen Wissenschaftlerin Dian Fossey (Sigourney Weaver), die in den Dschungel geht, um die Berggorillas zu studieren. Von Menschenliebe (zu einem Photographen) und Affenliebe (zu den großen, schwarzen, wundervollen Gorillas, die ein Tiertrainer vor die Kamera geholt tat). Vom Kampf gegen Wilderer und Heller. Von Idealismus und großer Politik. Von Fanatismus und Aberglauben. Und von der frohen Botschaft, daß die Gorillas bis auf weiteres vor dem Aussterben bewahrt sind.

Die andere Geschichte ist die von Dian Fossey. Die Geschichte (nicht story!) einer besessenen, zornigen Frau, die mit allen Mitteln, auch mit roher Gewalt, gegen die Menschen kämpfte, die ihr Gorillaparadies bedrohten. Der Lebensweg einer Forscherin, die zum Guerillero wurde. Für die gute Sache. Aber ohne Farbfilter und Technicolor. Und meistens ohne Nebel. Diese Frau starb nicht an gebrochenem Herzen. Sie wurde umgebracht.

Michael Apted hat die Geschichte der Dian Fossey behandelt, als würde ihr etwas fehlen. Er hat sie ergänzt: mit Sentimentalität, malerischem Pomp und weiblicher Schönheit. Dadurch fehlt dem Film genau das, was vielleich: das Wichtigste ist: die Wahrheit. Nicht mehr. Das genügt. Andreas Kilb

„Young Guns“ von Christopher Cain

Der erste Western seit Jahren – und gleich eine neue Variation der alten Billythe-Kid-Legende. Allerdings steht nicht, wie sonst üblich (etwa sei King Vidor, David Miller oder Kurt Neumann, bei Arthur Penn oder Sam Peckinpah) das Ende im Mittelpunkt, sondern der Beginn. ,,When Billy the Kid was a very young Lad / In old Siler City he wem to the bad.“ Natürlich gibt es eine Menge gunplays and horses. Doch ansonsten fehlt Cains Film beinahe alles, was einen Western auszeichnet: die Professionalität und der Ernst, die Zärtlichkeit und die Ruhe. Von der Menschlichkeit ganz zu schweigen. Schlimm ist ja nicht, daß er so miserabel inszeniert ist, sondern daß er so zynisch daherkommt.

Western handeln, naiv oder mythisch erzählt, von Abenteuern an der Grenze zur Zivilisation. Wo die „Notwendigkeit des Gesetzes .. eng mit der Notwendigkeit einer Moral verbunden“ bleibt. Der zynische Blick ist deshalb – wie der naturalistische – dem Western fremd. „Erst mal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln werden“, erklärt Gary Cooper in einem Western von Anthony Mann, bevor er zur Tat schreitet In „Young Guns“ warten die Helden nichts ab, sie sind aggressiv, brutal, zynisch. Wer verdichte ist, wird sofort erschossen. Der Tod ist oft nur ein Witz.