Von Reinhard Merkel

Der erste Eindruck ist ein physiognomischer, und durchaus plausibel: Vier Männer, kurzgeschoren, in dunkler Kleidung mit dazu passenden Mienen – grob, abweisend, reaktionslos. "Wir sind da", beginnt ein Vers im Epilog der "Letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus, "wir tragen Gesichter als Larven."

Friedhelm Busse (60), der Bundesvorsitzende, ist eigens aus München angereist, der Stellvertreter, Siegfried Borchardt (35), Chef des Landesverbands Nordrhein-Westfalen – mit metallener Odabrune auf der schwarzen Krawatte – aus Dortmund, Bundesgeschäftsführer Volker Jaschke (20) aus Oberhausen, Generalsekretär Jürgen Mosler (33) aus Duisburg: Am Bahnhof in Bochum begrüßt mich knapp und finster die Führungsspitze der der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP).

Von Jaschke abgesehen, der dafür noch ein wenig jung ist, blicken alle auf persönliche Erfahrungen mit dem Strafrecht zurück – nicht ohne einen Anflug von Pathos der verfolgten Unschuld. Borchardt verbrachte auf der Flucht vor der Polizei mehrere Jahre in Südamerika. "Türken sollen wir gejagt haben", sagt er achselzuckend, "lächerlich meine Angst damals; aber man war eben noch nicht vorbestraft."

"Gewalt als Mittel der Politik", sagt der Vorsitzende Busse, "lehnen wir selbstverständlich ab." Und hebt den Zeigefinder: "Wo das Verbrechen anfängt, hört die Kameradschaft auf!" Natürlich, das gelte auch für die behauptete Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten, aber bitteschön. "Beweise wird man von den Herren Historikern wohl verlangen dürfen." Auf mein fassungsloses Staunen: "Sie werden Ihr Hitlerbild korrigieren müssen. Die Geschichte wird ihn freisprechen. Nur innerhalb der eigenen Reihen hat er leider die Falschen liquidiert: die SA-Leute, Röhm, Gregor Strasser. Den Vater unseres sauberen Herrn Bundespräsidenten hätte er sich mal ein bißchen schärfer ansehen sollen!"

Seit dem 5. November 1988 ist Busse Bundesvorsitzender der FAP. Erst 1986 war er, nach einer jahrzehntelangen Karriere in verbotenen und unverbotenen Organisationen am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums, Mitglied geworden. "Ich war ja damals erst aus der Strafhaft entlassen worden. Sie erinnern sich vielleicht, 1981, Schießerei der Polizei, zwei Kameraden, die vorher bei mir gewohnt hatten, erschossen. Ich hatte natürlich keine Ahnung, daß sie Banküberfälle geplant und schon ausgeführt hatten und zum rechtsterroristischen "Kommando Omega’ gehörten. Verurteilt wurde ich vor allem wegen des Sprengstoffs, der Maschinenpistolen und der Handgranaten, die sie in meiner Druckerei eingelagert hatten, ohne mein Wissen. Fast fünf Jahre habe ich gesessen." Er zieht ein Heft des neuen Parteiorgans FAP-Intern heraus: Eine Warnung des Vorsitzenden vor unautorisiertem, in jedem Sinne wilden Plakatieren ist da an die "Kameraden" adressiert. Und die gewohnten Aufkleber und Handzettel: "Juda" oder "Rotfront verrecke"? Das sei vorbei, sagt er. "Das ist nicht mein Stil."

Was ist sein Stil? "Argumentieren! Überzeugen!" Daß es die Judenmorde der Nazis nicht gegeben habe? Daß "Rassenmischung" Völkermord sei? Daß die Juden "Menschheitsparasiten", die Türken "schmutzige Eindringlinge" seien und Deutschland von beiden ruiniert werde? Daß eine nationale Vereinigung aller "deutschblütigen Volksstämme, einschließlich Österreichs, der Schweiz und Südtirols" erkämpft werden müsse? – Wie macht man das?