Von Gunhild Freese

Der Retter gerät unter Zeitdruck: Hans Friderichs, Ende des vergangenen Jahres als neuer Aufsichtsratschef angetreten, die hochverschuldete und verschachtelte co op-Gruppe in eine schönere Zukunft zu führen, muß bis zum 24. Februar nicht nur wissen, wie die Bilanz und die Kapitalverhältnisse des angeschlagenen Frankfurter Handelskonzerns in Ordnung zu bringen sind. Der ehemalige Wirtschaftsminister und einstige Chef der Dresdner Bank steht auch noch vor dem Balanceakt, nicht weniger als 120 Banken auf das Sanierungskonzept einzuschwören.

Gleichzeitig muß der Sanierer den Zwölf-Milliarden-Konzern so umgestalten,, daß co op AG und -Konzern zur wirtschaftlichen und rechtlichen Einheit / zurückfinden und damit wieder handlungsfähig und für Aktionäre und Mitarbeiter durchschaubar werden. Eine Aufgabe, deren Scheitern noch keinesfalls ausgeschlossen ist.

Wie dramatisch die Situation bei co op derzeit ist, darüber gibt seit Freitag vergangener Woche ein Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treuverkehr Aufschluß. So ist die Gruppe – wie längst bekannt – mit wenigstens vier Milliarden Mark nicht nur hoch verschuldet. Sie hat in den vergangenen Jahren zudem Verluste aufgetürmt, die sich je nach Bewertung und Zurechnung auf eine Milliarde Mark summieren. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr sind im operativen Geschäft der Handelsgruppe um die 200 Millionen Mark verloren worden.

Das Grundkapital des Unternehmens beträgt indes nur 450 Millionen Mark. Hans Friderichs muß sich somit beeilen, will er nicht mit dem Aktiengesetz in Konflikt geraten. Besteht nämlich ein Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals, so hat der Vorstand unverzüglich die Hauptversammlung einzuberufen und ihr dies mitzuteilen.

Wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Rettung des Unternehmens sind nun der 24. Februar – der Tag der Bankenkonferenz – sowie der 27. Februar, Sitzungstag des Aufsichtsrats. Einzig und allein an den Banken wird es aber liegen, ob die co op noch eine Zukunft hat oder ob es nur noch eine Zerschlagung des viertgrößten Handelskonzerns der Republik gibt – sieht man einmal von dem wenig realistischen Fall ab, daß ein Aus-– länder die Gruppe komplett übernimmt. Daß Sanierer Friderichs sowie, seine beiden Berater Wolfgang Bernhardt, ein einschlägig erfah-

rener ehemaliger Unternehmensmann, und Hans Schäfer, ehemaliger Vorstandschef der Hannoveraner Handelsgruppe Adolf Schaper, auf den Fortbestand der co op-Gruppe setzen, überrascht nicht weiter. Selbst kritischen Insidern nötigt das Saniererteam jedoch Respekt ab, und ihre ersten Aktionen finden durchaus Anerkennung. So präsentierte das Trio den Aufsichtsräten am Donnerstag der vergangenen Woche zwei neue Herren für den Vorstand: Hanspeter Ricken, derzeit noch im Vertrag bei der Saarbrücker Asko-Massa-Gruppe, und Manfred Spurzem von der Schaper-Gruppe, die inzwischen auch von Asko übernommen wurde. "Das sind jedenfalls gestandene Handelsleute", freut sich ein Aufsichtsratsmitglied, "die aus hochprofitablen Unternehmen kommen." Mit den bereits aktiven neuen co op-Vorständen Gerhard Jakobi, ehemals Vorstandsmitglied der Bank für Gemeinwirtschaft, und Albert Döttger, der aus dem co op-Konzern kam, ist die neue Führungsriege nun komplett. Eine notwendige; jedoch zunächst nur die geringste Voraussetzung für die Überlebenschance des Konzerns.