Bleibt er oder bleibt er nicht? Kein Gänseblümchen würde für die Finger reichen, die das Schicksal Heiner Geißlers abzählen. Der CDU-Vorsitzende freilich macht nicht mit, und die CSU schweigt sich offiziell aus.

Da hilft, statt Auguren-Geraune und Personalkarussel, nur die Inspektion von Tatsachen. Wenn Helmut Kohl weder eine Strategienoch eine Generalsekretärs-Debatte will, dann deshalb, weil Not am Mann ist, auf doppelte Weise. Jede Diskussion über Kurs und Kopiloten könnte das Berliner Debakel nur vergrößern. Und wie sollte es wohl angehen, Heiner Geißler ausgerechnet am Beginn einer überaus langen und immer schwierigeren Wahlstrecke zu ersetzen?

Vor allem aber: Ließe Kohl solche Debatten, besonders über seinen Generalsekretär, zu – sie würden, was auch Geißler zusätzlich schützt, vor dem CDU-Vorsitzenden und Kanzler nicht haltmachen. Was Wunder, wenn man Kohl lange nicht mehr so grimmig entschlossen gesehen hat wie am Anfang dieser Woche, als er den Pyromanen aufs Haupt schlug.

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Allerdings, bis in die CSU reicht Kohls Patsche nicht. Dort hütet man das Feuer der reinen Unions-Lehre und des Widerspruchs gegen Geißler. Und wie sehr auch Kohl im Visier ist, zeigt die Sottise des CSU-Generalsekretärs Erwin Huber, mit drei Millionen Flugblättern bewege man höchstens die Müllabfuhr, aber keine politischen Inhalte. Das geht gegen Kohls Flugschrift nach dem Berliner Menetekel, die auf dem "Weg der Mitte" beharrte.

Freilich müssen sich die Bayern in acht nehmen, damit der Schwarze Peter einer Koalitionsgefährdung nicht an ihnen haften bleibt. Das erklärt die Zurückhaltung, die sich Theo Waigel zu Aschermittwoch in Passau auferlegte, obwohl der Saal wie Zunder auf einen Zündfunken wartete. Soviel für den neuen CSU-Chef zum Einstand bei diesem politischen Haut-den-Lukas auf dem Spiele stand – er und auch sein Mitregent Max Streibl haben sich achtbar aus der Klemme gezogen und die Bündnis-Raison nicht verletzt.

Aber das heißt umgekehrt nur, daß die CSU ihr Pulver trocken hält bis zum All-Unions-Gespräch Ende des Monats, wo es nach ihrem Willen um die Gesamtstrategie gehen soll – gerade weil sich den Bayern, für sie eine tiefe Enttäuschung und für Geißler ein Triumph, bisher bei der größeren Schwesterpartei fast nur Außenseiter angeschlossen haben. Doch wer weiß, was sich bei den Unions-Abgeordneten noch tut, die zwei Wochen nach Berlin aus ihren Wahlkreisen aufgerauht nach Bonn zurückgekehrt sind? Ausgesprochen friedlich war es in der CDU/CSU-Fraktion am Dienstag nicht.