DIE ZEIT

Eine Festung wankt

Kommunismus – was anderes hatte dies bisher bedeutet als die Herrschaft der einen Partei? Jetzt aber fallen die Festungen, stellen kommunistische Einheitsparteien zur Disposition, was ihnen auf ewig heilig war.

Bonner Eiertanz

Die Bundesregierung hat einen Eiertanz aufgeführt, nun tapst sie auf den leeren Schalen herum. Die Entscheidung über die Modernisierung atomarer Landraketen in Europa, zu der sie sich in den letzten Tagen durchgerungen hat, ist zwar im Ergebnis richtig: Die Modernisierung wird offengelassen, über ein neues System wird erst in zwei bis drei Jahren entschieden, der Osten soll zu Verhandlungen über diese Waffen aufgefordert werden.

Das Krebsgeschwür der Korruption

Im Verlauf jener Lockheed-Untersuchung stellte sich heraus, daß der größte private Waffenproduzent der Welt von 1970 bis 1975 für "Beraterhonorare" und "Provisionen" 200 Millionen ausgegeben hatte; man nimmt an, daß zehn bis 15 Prozent dieser Summen für Bestechungen verwandt worden sind.

Zeitspiegel

Die Theodor-Heuss-Stiftung und deren nimmermüde Präsidentin Hildegard Hamm-Brücher haben es fertig gebracht, während 25 Jahren das gleiche hohe Niveau zu halten: Am 11.

An Weltoffenheit gewinnen

Als Oberbürgermeister einer Stadt, in der mehr als 18 Prozent der Einwohner Ausländer sind, muß ich darüber nachdenken, wie sich die Verhältnisse in dieser Stadt und insbesondere die Beziehungen zwischen Deutschen und Ausländern in der Zukunft entwickeln sollen.

Auswärtige Kulturpolitik: Suche nach dem Steuermann

Wenn Klaus von Bismarck, schon bei Amtsübernahme kein Jüngling mehr, Anfang April nach zwölf Jahren als Präsident des Goethe-Instituts zurücktritt, obliegt es dem aus zwölf Personen bestehenden Präsidium, einen Nachfolger zu finden.

Pest oder Cholera

ZEIT: Rupert Neudeck wirft Hilfsorganisationen vor, indirekt den Krieg im Sudan mitzufinanzieren: Von einer gespendeten Mark würden nur 40 Pfennig bei den Empfängern ankommen.

Nord-Süd-Konflikt

Der Sudan, Afrikas flächengrößter Staat, ist zehnmal so groß wie die Bundesrepublik. 1976 wurde die Einwohnerzahl auf 16 Millionen geschätzt, heute liegt sie bei gut 25 Millionen.

Brot für den Krieg

Im Sudan tobt der blutigste Bürgerkrieg der Neuzeit. Die kriegführenden Parteien machen keine Gefangenen, metzeln Zivilisten nieder und zerstören systematisch die Infrastruktur des Landes.

Befreiung, doch kein Frieden

Wir werden den Heiligen Krieg in die Sowjetunion hineintragen und die sieben Städte des Islam zurückerobern – Ashabad, Mary, Buchara, Chiwa, Samarkand, Kokand, Taschkent.

Nun der Krieg der Ajatollahs?

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert haben die Afghanen die Invasionsarmee einer Großmacht bezwungen. Und wiederum ist es ihnen nicht gelungen, ihre internen Differenzen beizulegen.

Weltbühne: Klein wie Napoleon

In Deutschland wäre es undenkbar. Niemals würden Alfred Herrhausen oder Rudolf von Bennigsen-Foerder als politische Literaten für Wirbel sorgen.

Bonner Bühne: Haare auf dem Hund

Bleibt er oder bleibt er nicht? Kein Gänseblümchen würde für die Finger reichen, die das Schicksal Heiner Geißlers abzählen.

Nachlese: Die Mandela-Krise

Haben Mitglieder eines Fußballteams, das Winnie Mandela bewacht hat, junge schwarze Aktivisten entführt und mißhandelt? War die Frau des seit 1963 inhaftierten ANC-Führers Nelson Mandela aktiv an dieser "Strafaktion" beteiligt? Ist der 14jährige Stompie Moeketsi dabei ums Leben gekommen? Hat der Club "Mandela Uni ted" etwas mit der Ermordung eines schwarzen Arztes zu tun? Bange Fragen, die in diesen Tagen in südafrikanischen Antiapartheid-Gruppen gestellt werden.

So normal, so stinknormal

Troschenreuth wirkt so, als wolle es gar nicht wahrgenommen werden: Unscheinbar duckt sich das oberfränkische Dorf in eine Mulde der "Steinpfalz", wie die Einheimischen ihren kargen, unfruchtbaren Landstrich nennen.

Biedermann und Brandstifter

Der erste Eindruck ist ein physiognomischer, und durchaus plausibel: Vier Männer, kurzgeschoren, in dunkler Kleidung mit dazu passenden Mienen – grob, abweisend, reaktionslos.

NS-Vergangenheit: Stachel im Gewissen

Das Dorf Sarau an der Trave ist ein Flecken wie viele andere in Holstein: 800 Einwohner, eine Poststelle, ein Fußballplatz, ein Gasthof und eine germanische Thingstätte, markiert durch einen Stein mit der Jahreszahl 1109.

Operation Roland: Kassette verschluckt

Er sah das erste Reich sich neigen und das zweite heraufkommen. Er erlebte dessen Zusammenbruch und die glänzende Wiedergeburt der Herrlichkeit des Reiches und das Werden eines größeren Deutschlands durch die nationalsozialistische Bewegung Adolf Hitlers.

Menschen vor Gericht: Der letzte Besuch

Ellie G., 69 Jahre alt und Hausfrau, hat gerade die Küche saubergemacht, als es in der Wohnung drüber polterte. "Rudi ist wieder voll", hat sie da zu ihrem Mann gesagt.

Karajans Vertrag: Mißtöne im Orchester

Das Schreiben, das Kultursenator Volker Hassemer im Januar ins Haus flatterte, klang erst wie eine Kündigung. Absender war Herbert von Karajan: "Es ist Ihnen wahrscheinlich bekannt, daß ich die vergangenen zehn Jahre unter den verschiedenartigsten Krankheiten zu leiden hatte.

Coup in der Karibik

Der Zugriff auf das Auslandskapital rettet den Handelskonzern co op noch nicht

Wolfgang Gehrmann:: Bittere Pillen ohne Wirkung

Wer könnte nicht Norbert Blüms Verlangen nach Zuwendung nachvollziehen? Mit Ärzten und Krankenkassen hat es der Arbeitsminister verdorben, weil viele Regelungen seiner hektisch beschlossenen Gesundheitsreform in der Praxis Probleme machen.

Bonner Kulisse

Das "Wursturteil" des Europäischen Gerichtshofs vom 2. Februar war – darüber läßt sich kaum streiten – eine Blamage für die Bundesregierung.

Krupp-Konzern: Lotse an Bord

Der einstige Senkrechtstarter Manfred Lennings erhält eine Bewährungsprobe als Aufsichtsratsvorsitzender

Durch Steuern die Umwelt schützen

Matthäus-Maier: Wir reden von einer ökologischen Weiterentwicklung des Steuersystems. Das heißt: Mehr als bisher soll der Umweltschutz in der Steuerpolitik berücksichtigt werden.

Privater Hörfunk: Zweites Opfer in Hamburg

Auf private Radiostationen trifft das offenbar weniger zu. Seit dem Start des Kommerzfunks Anfang 1987 haben immerhin zwei von insgesamt vier Privaten ihren Betrieb wieder eingestellt.

Berlin nach der Wahl: Angst vor grünen Männchen?

Noch ist die rot-grüne Koalition in Berlin nicht beschlossene Sache, und vielleicht kommt sie auch gar nicht, da machen Springer-Presse und einige CDU-Politiker schon mobil und malen den wirtschaftlichen Niedergang an die Wand.

Vereinigte Staaten: Flüchtiger Beifall

Richard Darman, Chef der Haushaltsbehörde, Office of Management and Budget (OMB), stiftete bei den etwa 200 Journalisten, die sich Ende voriger Woche im "Briefing Room" des Weißen Hauses eingefunden hatten, große Verwirrung.

Markt-Report: Die ersten Siebenprozenter

Die Tendenz an den Weltbörsen steht völlig im Zeichen der Zinsdiskussionen. In den Vereinigten Staaten, wo viele Banken die prime rate inzwischen auf elf Prozent angehoben haben, wird von einer neuerlichen Diskonterhöhung gesprochen.

ZEITRAFFER

Die Großhandelspreise haben im Januar kräftig angezogen. Die Verkaufspreise der Grossisten stiegen um 1,7 Prozent und lagen damit um 5,1 Prozent über dem Stand vom Januar 1988.

MANAGER UND MÄRKTE

Klöckner-Werke: Auf Kollisionskurs Siemens: Dämpfer erhalten Ford: Mit harten Bandagen

Nicht alles gleichmachen

Häfele: Nein, nach unserer Überzeugung nicht. Wir sollten uns überhaupt bei der ganzen Debatte um die Harmonisierung der Steuern davor hüten, alles völlig gleichzumachen.

LÄNDER IM VERGLEICH

Die meisten EG-Mitgliedstaaten wollen ab 1. Juli 1990 alle Beschränkungen für den Kapitalverkehr aufheben. Doch dann – so fürchten viele EG-Länder – könnte ihnen das gleiche passieren wie jüngst der Bundesrepublik: Kapital würde in großen Mengen in die Länder abfließen, in denen es keine Quellensteuer gibt.

Umweltschutz: Prinzipien auf Schußfahrt

Die Aussicht von hier oben ist wirklich wunderbar. Unten im Tal breitet sich grünblau der Tegernsee aus, an seinen Ufern kleine Ortschaften, die nur aus roten Dächern zu bestehen scheinen.

Bundespost: Glas schlägt Kupfer

Als Postminister Christian Schwarz-Schilling kurz nach der Wende im Oktober 1982 entschied, die Bundesrepublik flächendeckend mit einem neuen Kabelnetz zu überziehen, ging die deutsche Fernmeldeindustrie deutlich auf Distanz.

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