Die meisten EG-Mitgliedstaaten wollen ab 1. Juli 1990 alle Beschränkungen für den Kapitalverkehr aufheben. Doch dann – so fürchten viele EG-Länder – könnte ihnen das gleiche passieren wie jüngst der Bundesrepublik: Kapital würde in großen Mengen in die Länder abfließen, in denen es keine Quellensteuer gibt. Deshalb hat die EG-Kommission nun vorgeschlagen, innerhalb der EG generell mindestens fünfzehn Prozent Quellensteuer auf Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren zu erheben. Damit würde auch das letzte Paradies für Quellensteuerflüchtlinge zerstört, nämlich Luxemburg, das keine Quellensteuer auf Zinserträge kennt (wohl aber auf Dividenden). Auch in den Niederlanden und in Dänemark werden Zinserträge nicht besteuert, aber es gibt dort eine Kontrollmitteilung ans Finanzamt.