Eine Kommission versucht, möglichen Insidern auf die Spur zu kommen

Von Rudolf Kahlen

Die Rettungsaktion ist geglückt. Alfred Herrhausen, der Sprecher der Deutschen Bank, denkt nach viermonatigem Krisenmanagement im Handelshaus Klöckner & Co. schon wieder an den Verkauf der erst unlängst übernommenen Duisburger Firma. Der Verlust von mehr als einer halben Milliarde Mark aufgrund spekulativer Ölgeschäfte gilt als verkraftet. Besonderes Kaufinteresse signalisiert British Steel, einer der größten Stahlproduzenten der westlichen Welt.

Deutschlands mächtigster Bankier sorgte für eine schnelle und unbürokratische Abwicklung des Falles Klöckner & Co. Gleiches gilt nicht für jene Herren, die seit dem vergangenen Oktober eines versuchen herauszubekommen: Wer wußte vor der Öffentlichkeit von der drohenden Schieflage und nutzte sein Insiderwissen aus, um Klöckner-Genußscheine – eine Art Zwitter aus Aktie und Anleihe – schnell noch über die Börse an ahnungslose Anleger zu verkaufen, bevor die Papiere wertlos wurden? Daß Insider ihre Hand im Spiel hatten, davon gehen die Herren der Düsseldorfer Insider-Prüfungskommission aus. Mit ihren Recherchen sind sie nach viermonatiger Arbeit allerdings erst "im Anfangsstadium", wie ihr Vorsitzender Heinrich Wiesen sagt.

Die äußerst langsamen Ermittlungen haben ihren Grund: Den Kommissionen fehlen hierzulande – anders als in den Vereinigten Staaten – schlagkräftige Mittel, um die Übeltäter schnell zu erwischen. Es gibt keine gesetzliche Grundlage für die Fahndung nach Insidern, sondern lediglich eine Art Ehrenkodex, dem sich die meisten börsennotierten Unternehmen und deren leitende Mitarbeiter unterstellen.

Das würde sich ändern, wenn die Europäische Gemeinschaft einen Beschluß fassen sollte, nach dem nationale Gesetze gegen Insider zu erlassen und Börsenaufsichtsbehörden einzurichten sind. Einiges spricht dafür, daß noch in diesem Jahr eine derartige Richtlinie in Brüssel erlassen wird – zum Ärger der deutschen Börsianer.

Bis auf weiteres allerdings gelten die freiwilligen Insiderregeln an den acht Börsenplätzen zwischen Hamburg und München. Der Klöckner-Fall zeigt so gut wie kaum ein anderer ihre Schwächen auf. Zur Erinnerung: Anfang Oktober vergangenen Jahres herrschte Krisenstimmung im Duisburger Handelshaus. Chef-Ölhändler Wolfgang Zeschmar und einige seiner Kollegen hatten sich beim Einkauf von Rohöl auf Termin gewaltig verspekuliert. Mit insgesamt 699 Millionen Mark war der Verlust mehr als doppelt so hoch wie das Eigenkapital der Gesellschaft. Der Konkurs schien unausweichlich für die ansonsten profitabel arbeitende Firma.