Philosoph für den Frieden

Die Theodor-Heuss-Stiftung und deren nimmermüde Präsidentin Hildegard Hamm-Brücher haben es fertig gebracht, während 25 Jahren das gleiche hohe Niveau zu halten: Am 11. Februar fand in Stuttgart die alljährliche Verleihung des Heuss-Preises statt. Preisträger in diesem Jahr war Carl Friedrich von Weizsäcker. Der Physiker und Philosoph erhielt die Auszeichnung für seinen kontinuierlichen Einsatz für eine Weltfriedensordnung und seine Beiträge zu den Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Weizsäcker initiierte 1957 die Göttinger Erklärung der Atomwissenschaftler. Sie trug dazu bei, daß die Forderung nach Atomwaffen für die Bundeswehr nicht durchgesetzt werden konnte. Ein Kernsatz seiner Rede: "Die heutige Entspannung ist einem Sieg des gesunden Menschenverstandes in der sowjetischen Führung zu verdanken. Man muß hoffen, daß ihm gesunder Menschenverstand im Westen entgegenkommt."

Großdeutsches Panorama

Unten glänzt die Dresdner Semperoper, ganz hinten ragen dunkel die Türme des Kölner Doms empor, vor den Reichstag schiebt sich Preußens Friedrich mit strengem Blick: Ein Sinnbild deutscher Geschichte, kunterbunt zusammengefügt auf schneeweißer Plastiktüte. Mit ein bißchen Kultur am Arm ins Kaufhaus, in unserer Konsumkultur gehört das wohl dazu. Stünde da nicht ganz rechts hinten, am blauen Kanal hinter norddeutscher Giebelgotik, das Danziger Krantor. Mit diesem großdeutschen Panorama, signiert vom Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, beginnt für die Financial Times der "Plastiktüten-Revanchismus". Was mag nur dieses Ministerium ausgerechnet im 50. Jahr nach dem deutschen Überfall auf Polen umgetrieben haben, auf diese Weise Danzig heimzuholen?

ökologischer Gipfel

Auf die Spitze treiben wollen Umweltschützer ihre globale Bewegung: Am 22. April nächsten Jahres werden drei Bergsteiger den Mount Everest erklimmen und von oben herab einen weltweiten Earth Day verkünden. Jim Whittaker, Amerikaner und einer der drei Männer im Schnee, will gemeinsam mit einem sowjetischen und einem chinesischen Alpinisten beweisen, "wieweit Menschen dieser Welt für die höchsten, und manchmal auch die schwierigsten Ziele zusammenarbeiten können". Geplant ist, per Fernsehkamera und Satellit vom Öko-Gipfel eine Botschaft an alle Regierungen der Erde auszusenden. Hoch – und auch lang wird der Umwelttag, werden doch am 22. April 1990 Erziehungsprojekte, Demonstrationen und Feiern für volle zwei Jahre eingeläutet.

Demokratie in China

Den Artikel "Nur Demokratie kann China retten" ( Die Zeit Nr. 7 vom 10. Februar 1989) hatte der chinesische Physiker und Regimekritiker Fang Lizhi für die New York Review of Books geschrieben. Durch ein Versehen ist der Hinweis auf die Erstveröffentlichung unterblieben.