Nach Radio Korah stellte jetzt auch Radio 107 den Sendebetrieb ein

Hamburger Politiker heben, wenn sie für die Hansestadt werben, einen Aspekt besonders gerne hervor. Die Stadt an der Elbe sei, loben sie überschwenglich, ein wahres Mekka der Medien.

Auf private Radiostationen trifft das offenbar weniger zu. Seit dem Start des Kommerzfunks Anfang 1987 haben immerhin zwei von insgesamt vier Privaten ihren Betrieb wieder eingestellt. Mit einer Sterbequote von fünzig Prozent hält Hamburg damit einen einsamen Rekord. Radio Korah rettete sich lediglich sieben Monate über die Runden. Dann mußten die Privatfunker Konkurs anmelden. Am vergangenen Freitag gab auch Radio 107 nach achtzehn Monaten Sendebetrieb auf. Punkt 17 Uhr kam das vielstimmige Bekenntnis über den Äther: "Wir lieben 107." Dann knackte und rauschte es nur noch im Empfänger.

Fans des Hamburger Privatradios, die an eine technische Panne glaubten, wurden erst knapp eine halbe Stunde später aufgeklärt: "Der Betrieb von Radio 107", teilte ein Sprecher lapidar mit, "ist eingestellt." Seither herrscht absolute Funkstille auf der Frequenz.

Das abrupte Aus überraschte nicht nur die Hörer. Auch die Belegschaft – zwanzig Festangestellte und fünfzehn freie Mitarbeiter – erfuhr erst knapp eine Stunde vorher, daß für sie um 17 Uhr endgültig Sendeschluß sei. Entsprechend mies war die Stimmung. "Die marode Gesellschaftergruppe", prügelte der Betriebsrat verbal auf die Anteilseigner ein, "hat diesen Sender in den Ruin geführt."

Zwar gab es schon wochenlang Gerüchte, das Ende des Senders, an dem die drei Hamburger Unternehmer Jochen Wegner, Nikolaus Broschek und Hans Otto Mertens sowie RTL und der Zeitungsverlag Holtzbrinck über seine Tochter AVE zu je zwanzig Prozent beteiligt sind, stünde bevor. Doch die Mitarbeiter mochten bis zuletzt nicht daran glauben. Denn immerhin steht für die Gesellschafter nicht nur Geld, sondern auch Renommee auf dem Spiel.

Doch angesichts der desolaten finanziellen Lage haben Holtzbrinck und der Luxemburger Funk- und Fernsehkonzern RTL die Lust an ihrem Hamburger Funkabenteuer verloren. Die Werbeeinnahmen stagnieren bei etwa einer Million, wie Branchenkenner schätzen, und genügen bei weitem nicht, die Kosten von jährlich 4,5 Millionen Mark zu decken. Das Stammkapital von 2,1 Millionen Mark ist längst aufgebraucht, bestätigt denn auch Geschäftsführer Stephan Zobel. Um weiterzumachen, hätte der Funkmanager dringend neue Finanzspritzen von den Gesellschaftern gebraucht. "Im Januar habe ich von Rücklagen gelebt, seit Februar schwebe ich in der Luft", beschreibt Zobel seine prekäre Lage.