Die Firma Imhausen-Chemie sorgt für immer neue Schlagzeilen: Nach dem Libyen-Skandal beging Hans-Joachim Renner, „Seele des Betriebes“ und zweiter Geschäftsführer, einen Selbstmordversuch. Das Bundeskriminalamt (BKA) nahm zwei Mitarbeiter des Lahrer Unternehmens unter dem Verdacht fest, „Designer-Drogen“ in die USA verschachert zu haben.

Der sechzigjährige Renner schwebte nach einer Schlafmittelvergiftung vier Tage in Lebensgefahr. Inzwischen schlug das BKA zu: Ein Amerikaner wurde verhaftet, als er bei Imhausen 660 Kilogramm Piperonyl-Methyl-Keton (PMK) abholen wollte – ein Ausgangsstoff für das Ersatz-Rauschgift Methylendioxymethyl-Amphetamin (MDMA). 170 Kilogramm dieser „Designer-Droge“ (Schwarzmarktwert: 30 Millionen Mark) habe Imhausen zudem im Oktober 1988 verkauft – und eine bayerische Firma beauftragt, daraus 1,3 Millionen Tabletten zu pressen. Der Handel erfolgte, obgleich MDMA seit einigen Jahren als „nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel“ deklariert wurde.

Den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz nannte ein Firmensprecher einen „Lapsus“: „Wir haben versäumt, in eine neuere Version des Gesetzes zu sehen.“ Die Offenburger Justiz hält dennoch einen von zwei ebenfalls festgenommenen Imhausen-Angestellten in Untersuchungshaft.

Der Imhausen-Betriebsrat legte Chef Hippenstiel den Rücktritt nahe. Gespräche blieben ohne Ergebnis, doch sucht die Firmenleitung inzwischen „Kontakte zu geeigneten Managern“, um sich aus der Schußlinie zu ziehen. Der Bundesforschungsminister hat der Firma inzwischen fünfzehn Millionen Mark Bundeszuschuß gesperrt. Mit der alten Chefetage will Bonn nicht mehr kooperieren.

c.w.