ZDF, montags: SoKo 5113

Man gewöhnt sich an sie. Und sieht sie schließlich gen. "Sie" ist die Sonderkommission 5113, eine Einrichtung der Münchner Kriminalpolizei, respektive des ZDF, zuständig für verwickeltere Fälle, vornehmlich Rauschgift. Der Chef heißt Goldmann (Werner Kreindl) und hat in seines Kommissaren Schickl (Wilfried Klaus), Sackmann (Heinz Baumann) und Less (Bernd Herzsprung) drei tüchtige Gehilfen, von denen pro Folge mindestens einer tiefe Blicke in sein Privatleben zu gestatten hat. Zur Zeit ist Göttmann selber dran, und denkt euch, seine Frau geht fremd. Bittschön, wenn man die SoKo länger kennt, nimmt man Anteil und ärgert sich mit Schickl und dessen allerliebster Gattin aber den schoflen Hauswirt und sorgt sich mit Sudmann um dessen kesse Tochter. Man weiß: bevor’s einem zuviel wird mit dem häuslichen Ungemach erfolgt en Schnitt, und man sieht Mörder, Dealer und Entführer wieder hart am Ball. Denn es ist Krimi-Stunde, wenn auch, sichtlich, zur Familienzeit (17.45 Uhr).

Alle SoKo-Stories gehen auf. Alle So-Ko-Stories haben was, irgendein Motiv, einen Einfall, eine Wendung, die sie vorm Abgrund des Klischees erretten. Wenn auch in den Dialogen das Papier bisweilen arg raschelt, wenn auch der Witz bescheiden und das Tempo bemessen ist – es kommt der Moment, da man nicht mehr abschalten mag, weil man Zeuge sein will, wenn der Schurke in die Falle tappt. Da erlebt man durchaus melodramatische Höhepunkte. Der kühnste war wohl jener, der Göttmann das Gesetz in die eigenen Hände nehmen hieß, weil der gerechte Zorn über einen mörderischen Fabrikanten, dessen Tat verjährte, den Diener des Gesetzes überwältigte. Schickl verhütete das Schlimmste. Er kennt seinen Chef und dessen Temperament.

Das ist es: man kennt einander. Die fiktiven Fahnder ihre Pappenheimer und die Krimi-Glotzer ihre SoKo. Selbst Nebenrollen, die nicht durch alle Folgen gehen, sondern nur ab und an auftauchen, das Faktotum Krasske zum Beispiel oder die Journalistin Rath, diese knapp gezeichneten Charaktere hat man auch nach zehn Folgen nicht vergessen, und man freut sich über ein Wiedersehen. Ach der, ach die da wieder. Selbst die Verbrecher scheinen eine Art Clan zu bilden und irgendwie alle einander ähnlich zu sehen. Krimi zur Familienzeit ist Familienkrimi und, ganz wie die Familie selbst, viel gescholten und nicht totzukriegen.

Zum "Familien-Effekt" tragen außer den tiefen Blicken in das Privatleben der Bullen die Szenen aus deren unaufgeregtem Arbeitsalltag bei. Zum Beispiel die Observation. Daß man dafür Rendezvous absagen muß, und dann kommt der Verdächtige doch nicht – das ist Polizistenlos. "Find’st nix, is nix, find’st viel, is auch nix." – Das SoKo-Büro, eine Räumlichkeit, in der man nicht abgemalt an der Wand hängen möchte, hat allerdings jüngst gewonnen: seit sich dort Wachtmeisterin Lizzy Berger (Olivia Pascal) aufhält, die vom Beginn der letzten Staffel an zur SoKo zählt.

Die Serie könnte noch wachsen, gäbe sie dieser Top-Frau mehr zu tun. Nach einem vielversprechenden Einstand, in dem die Berger einen Baby-Händler enttarnte, ist die schöne Jägerin sehr in den Hintergrund getreten und sogar auf Dialogzeilen wie "Ich versteh gar nix" herabgestuft worden. Bedenken Sie, beste Krimi-Macher: Zu jeder Familie gehört eine Frau. Und zwar ins Zentrum.

Barbara Sichtermann