Regensburg

Behinderte, Jugendliche ohne Ausbildung, Langzeit-Arbeitslose und Arbeitnehmer jenseits der fünfzig gelten auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar. Eine kirchliche Initiative hat jetzt einen originellen Weg gefunden, Hilfe für diese sozialen Randgruppen mit der Unterstützung Notleidender in der Dritten Welt zu verbinden. „Nutzfahrzeug-Recycling“ nennt sich das Projekt, das vom Diakonischen Werk und der Evangelisch-Lutherischen Gesamtkirchengemeinde in Regensburg gegründet wurde. Die Idee: Gebrauchte Nutzfahrzeuge (Lastwagen, Busse, Sanitätsfahrzeuge, landwirtschaftliche Maschinen) in eigener Werkstatt von den Außenseitern des Arbeitsmarktes instand setzen zu lassen und an Entwicklungsländer weiterzugeben.

Die evangelische Kirche griff in den Säckel und übernahm Bürgschaften, um den Ankauf einer leerstehenden Fabrik zu ermöglichen. Dieter Schmidt, Leiter des Regensburger Arbeitsamtes und Befürworter der Idee aus „ideellen wie ökonomischen Gründen“, konnte auch seine vorgesetzte Dienststelle für das Projekt begeistern. Ein Scheck des Landesarbeitsamtes in Höhe von rund 2,5 Millionen Mark deckt die laufenden Kosten für die nächsten beiden Jahre. Wenn dann aus öffentlichen Händen keine Mittel fließen, bleibt die Kirche auf ihren Bürgschaften sitzen, und die Zukunft des Projektes läge in Gottes Hand.

„Zweck unserer Arbeit“, sagt Edgar Pielmeier, Chef des Recycling-Hofes, „ist es, jenen eine Chance zu geben, die unter den gegebenen Umständen in den normalen Arbeitsprozeß nicht zu integrieren sind. Wo nötig, bieten wir Beratung und sozialpädagogische Hilfe an. Ferner bilden wir Lehrlinge aus, bieten Möglichkeiten zur Umschulung und zur Vermittlung an Betriebe.“

Seit Januar arbeiten sieben Beschäftigte unter Anleitung eines Meisters in den (noch) provisorischen Werkstätten. Vier Fahrzeuge müssen für den Transport nach Tansania fertiggestellt werden. Etwa 200 aufzubereitende Einheiten, so die Kalkulation, müssen pro Jahr erreicht werden, um, auch nach 1990, die Kosten der gemeinnützigen GmbH zu erwirtschaften. Zwanzig Arbeitsplätze sollen bis dahin geschaffen werden. Für etwa 30 Prozent des Neupreises können die renovierten Fahrzeuge interessierten Entwicklungshelfern offeriert werden. Dabei sind die Instandsetzer darauf angewiesen, an die Gebrauchtfahrzeuge möglichst billig heranzukommen. Zusagen für die Lieferung ausgemusterter Geräte gaben bisher die Stadt Regensburg, das Bayerische Rote Kreuz, Mercedes und MAN. Volker Mayer