Als dem Komponisten Guiseppe Verdi, ansonsten h.c.-Titeln jedweder Art eigentlich abhold, Anno 1889 die Ehrenmitgliedschaft im seinerzeit gegründeten Bonner „Verein Beethovenhaus“ angetragen wurde, soll er geantwortet haben: „Hier handelt es sich um Beethoven! Vor solchen Namen beugen sich alle in Ehrfurcht.“

Sprach’s und verbeugte sich im Verein mit Clara Schumann, Johannes Brahms und einer ganzen Reihe weiterer Größen der Musik- und Kulturwelt. Und auf dem Bonner Münsterplatz blickte der bereits vier Jahrzehnte zuvor auf einen prachtvollen, reliefverzierten Sockel gehievte bronzene Ludwig van Beethoven, mit wallendem Haupthaar und faltenreichem Überwurf, streng und doch wohlgefällig von hoher Warte auf seine ehrerbietige, illustre Fan-Gemeinde.

Da steht er noch heute und der lokalpatriotische Stolz der Bonner auf den hochverehrten „größten Sohn der Stadt“ hat seitdem nicht abgenommen.

Dafür freilich muß der Altmeister auch ganz schön ran: Als „evergreener“ Werbe- und Sympathieträger Bonns hat er sozusagen einen Fulltime-Job. Kein Bonner Kußmund (der schon weltweit Knutschflecken hinterlassen hat), kein zum Plüsch-Schmusekätzchen mit Römerhelm mutierter Wappenlöwe „Leo“ macht so zuverlässig und ausdauernd „Bock auf Bonn“ (neuer Werbeslogan) wie eben jener Beethoven.

Zum höheren Ruhme der Stadt wird „das Feinste, was Bonn zu bieten hat“ (so das Städtische Presse- und Werbeamt) in diesem Jahr geradezu im Stakkato dargeboten. Schließlich feiert man mit viel Pomp und Kondition „2000 Jahre Bonn“, obwohl’s, wie jedermann längst weiß, schamlos geschummelt ist. Beethoven also in allen Tonlagen und Klangfarben, ob in der Beethovenhalle, im Beethoven-Geburtshaus oder beim Internationalen Beethovenfest im Herbst in allen Sälen – eine ganzjährige, schier unaufhörliche „Ode an die Freude“. Ruhe findet der nimmermehr.

Nicht mal mehr auf dem Münsterplatz. Dortselbst, vor der schönen gelben Kulisse der alten Post, trutzt der Bronze-Beethoven noch immer strengen Blickes Wind, Wetter und Annäherungsversuchen jedweder Art, sei es von Pennern, Punkern, Skinheads, politischen Demonstranten, photographierenden Touristen oder angeheiterten Rummelplatzbesuchern. Beethoven wies nie jemanden ab, betätigte sich hin und wieder bei Demos sogar als (unfreiwilliger) Fahnenhalter, und das Kopfsteinpflaster reichte bis an seinen Sockel.

Eben damit ist nun Schluß. Auf Geheiß der zuständigen Stadtbezirksvertretung soll das gemeine Volk wieder auf respektvolle Distanz zum großen Meister gehen. Eine sieben mal sieben Meter große, massive Einfriedung rund ums Denkmal wurde festzementiert und mit Mutterboden aufgefüllt. Den Steinsockel wird bald eine schmiedeeiserne Kette rahmen, und wenn’s richtig Frühling wird in Bonn, sollen Blumen blühen im Beet zu Füßen Beethovens.