Die Geschichte um das libysche Giftgaswerk

Von Gerd Bucerius

Vorgeschichte:

Als 1973 die Ölpreise ins Ungemessene stiegen und dennoch Öl immer knapper wurde, kamen die Förderländer auf einen, wie sie meinten, guten Gedanken. Die Industrieländer verarbeiten einen guten Teil des angekauften Öls für petrochemische Produkte. Ohne Öl hätten wie keinen Kunstdünger, keine Kunststoffe.

Da fragten sich unsere Erdöllieferanten: Warum überlassen wir eigentlich die gewinnträchtige Verarbeitung „unseres“ Öls den anderen? Warum können wir nicht – direkt neben den Ölquellen – chemische Fabriken bauen und den Gewinn selbst einstecken?

Dies haben viele Opec-Staaten mindestens zur Hälfte erreicht. Seit Anfang der achtziger Jahre sind am Golf zahlreiche petrochemische Großanlagen entstanden, meist im joint venture mit internationalen Konzernen: Shell, Mobil Chemical, Dow Chemical und vielen anderen.

Um die Jahreswende gerieten Meldungen in die Öffentlichkeit, daß westliche Geheimdienste und die amerikanische Luftaufklärung seit einiger Zeit die Entstehung eines weiteren Chemiewerks in Libyen beobachten, das sich von den anderen Fabriken der Region unterscheidet. Die Geheimdienstberichte legten den Schluß nahe: