MÜNCHEN.– Briefmarken hatte ich gekauft, einen Streifen 80er, und sie achtlos in die Tasche gleiten lassen. Zu Hause, beim Auspacken, erweckte das Bild auf ihnen – ein junger, grüner Baum – eine angenehme Assoziation. Ist wohl mal wieder "Tag des Baumes".

Aber da steht: "25 Jahre Deutscher Entwicklungsdienst". Wieso dann ein Baum? Der zudem an einen, jawohl, schwarzrotgoldenen Stützpfahl gebunden ist. Was soll das? Welche Botschaft soll da unter die Briefschreiber und -empfänger gebracht werden?

Der Baum beherrscht die Abbildung, das schon. Nicht klar erkenntlich wird, um welche Art es sich handelt, ein Neem, wichtig im semi-ariden Westafrika, wäre dichter belaubt; vielleicht soll es die noch bedeutendere Acacia albida sein, um auf deren zentrale Rolle im kombinierten Landnutzungssystem (z. B. Ackerbau, "Wald"- und Viehwirtschaft auf ein und demselben Feld) hinzuweisen? Egal, ein Baum in der Dritten Welt oder für sie. Das Mittel gegen ihren ökologischen Niedergang.

Aber neben ihm leuchtet es doch ziemlich, es signalisiert sozusagen. Eigentlich könnte es sich auch um einen deutschen Grenzpfahl handeln, mit dem der DED Geländegewinne, etwa dem amerikanischen Peace Corps gegenüber, markieren will. Nein, es ist ein Stützpfahl, nichts anderes, nützlich für junge Bäume mit noch schwachem Wurzelwerk. Da schwarzrotgold ja immer symbolisch gemeint ist: der DED als bundesdeutscher Stützpfeiler für Wiederaufforstungen und ähnliche ökologische Maßnahmen in der Dritten Welt. Das ist es.

Diese nationalistisch gefärbte Selbstüberschätzung macht perplex. Mancher würde es, wie die Zeiten so sind, achselzuckend hinnehmen. Aber ausgerechnet vom DED? Der Einrichtung, die aufgrund ihrer ureigenen Erfahrungen, so "öko-internationalistisch" wie kaum ein anderer Verein in der Republik sein könnte, sein müßte. Der durch seine Entwicklungshelfer fast immer versucht hat – gegen tausenderlei, meist bürokratische Widerstände – den "Zielgruppen" die Regelung ihrer Angelegenheiten und die Regulierung ihrer Umwelt in die eigenen Hände zu geben. Ausgerechnet der glaubt, sich als nationaler Stützpfeiler postieren zu müssen, ohne den die zarten Pflanzen vom Harmattan oder anderen widrigen Winden der tropischen Breiten nur so weggefegt würden.

Wahr wäre das Gegenteil: Nur wenn die vom Umweltdesaster Betroffenen selbst den Kampf führen, kann er gewonnen werden. Wenn sie es sind, die Bäume pflanzen und pflegen (und sei es, um sie eines Tages als Brennholz wieder abzuschlagen). Wenn sie ihr Vieh daran hindern, die jungen Pflanzen abzufressen. Wenn sie Baumschulen anlegen. Jeder auch nur halbwegs aufmerksame Besucher jener baumarmen Gebiete ist beeindruckt von dem Schutzschild aus Steinen, Draht oder Ästen, der manchmal jeden Baum einzeln umgibt. Da geschieht schon einiges, sicher manchmal auch mit Hilfe des DED.

Entscheidend jedoch ist, daß diese Arbeit Selbsthilfe ist oder dazu wird, Selbsthilfe von Einzelnen oder Gruppen. Daß "Selbsthilfeökologie" sich als neuer Orientierungspunkt durchsetzt.