Von Gerhard Spörl Am 12. März finden in Hessen Kommunalwahlen statt. Doch das Interesse richtet sich fast ausschließlich auf Frankfurt.

I.

Zum letzten Mal vor der Wahl am 12. März haben sich die Freizeitparlamentarier über all das gestritten, was die Metropole am Main bewegt: den Baurausch und die Korruption, die Ausländer und die Hochhäuser, Bonn und Berlin. Jetzt liegt der weite Platz vor dem Römer still und menschenleer da. Der Manskopf-Brunnen in der Mitte ist umgittert; man soll ihn bewundern, nicht etwa drum herumsitzen oder gar lungern. Im nassen Kopfsteinpflaster spiegelt sich das Ensemble der Bürgerhäuser. Manches Herz hängt an diesem alten, historisierenden Frankfurt.

Die spätgotische Alte Nikolaikirche ist das nächste Restaurierungsobjekt. Für vier Millionen Mark erhält sie eine neue Orgel, schönere Außenskulpturen, einen anderen Altarraum und eine ansehnlichere Fassade. Die Einweihung dürfte ein schöner Tag im Leben des nächsten Oberbürgermeisters sein.

Wenige Meter Luftlinie entfernt ragt das neue Frankfurt in den Himmel. Die beiden Stahl-Glas-Türme der Deutschen Bank sind der Inbegriff einer kühlen, klaren, urbanen Ästhetik. Wenn die Sonne darin blutrot untergehe, dann schaue er schon andächtig hin, so hat ein Grüner kürzlich mit gespielter Provokation bekannt. Wer nach dem 12. März das Frankfurter Regiment stellen möchte, und das wollen auch die Grünen, kommt um ein größeres Quantum Lokalpatriotismus nicht herum.

Für Frankfurt sei das Widersprüchliche zutiefst charakteristisch, fällt dem Oberbürgermeister Wolfram Brück von der CDU am nächsten Morgen ein, sitzend auf dem langen, schwarzen Ledersofa in seinem altdeutschen Amtszimmer: Die Alteingesessenen hingen an der Tradition – die Neuankömmlinge, und sie bilden die Mehrheit in der 620 000-Einwohner-Kommune, seien modern, erfolgsorientiert, bindungslos.

Frankfurt sei eine Stadt von geradezu brutaler Ehrlichkeit, sagt der SPD-Prätendent Volker Hauff im Café des Museums für Kunsthandwerk. Er hat die Main-Metropole während der vergangenen Jahre in allen Details kennengelernt. Superlativ reiht sich an Superlativ: Der größte Flughafen und die meisten Banken (rund 400), die höchste Scheidungsrate, die höchste Dienstleistungsdichte, der höchste Anteil des Kulturetats am Budget in ganz Europa (rund zwölf Prozent), die meisten Single-Haushalte (über 50 Prozent) und die meisten Ausländer (geschätzte 25 Prozent).