Immer wieder hören wir bedrückende Geschichten über die Anziehungs- und Zerstörungskraft des Umgangs mit der Macht. Wie viele glückliche Beziehungen zu Partner, Kind und Haustier wurden nicht auf dem Altar der Politik geopfert.

Wie weit aber der Mensch wirklich gehen kann um eines politischen Amtes willen, das hat in diesen Tagen John Tower bewiesen. Um seine schwindenden Chancen zu retten, der nächste Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten zu werden, verschrieb er sich der Abstinenz: „So schwöre ich hiermit, daß ich, falls bestätigt, während meiner Amtszeit als Verteidigungsminister kein alkoholhaltiges Getränk, welcher Form auch immer, zu mir nehmen werde.“ Wie süchtig muß Politik machen, wenn einer dafür jeglicher anderen Sucht entsagt?

Jeglicher anderen? War da im Falle Tower nicht auch noch anderes im Spiel? Doch von irgendeinem Verzicht in dieser Richtung ist nicht die Rede. Kein Geringerer als Henry Kissinger hilft uns dies Rätsel lösen. Macht, so sagte er, sei das größte Aphrodisiakum. Demnach wäre die Schürzenjägerei weniger eine Alternative zur Politik als vielmehr deren fast zwangsläufige Folge. R.L.