Von Karl-Hans Hartwig und Ingo Pies

Aus ökonomischer Sicht sind Drogen knappe Güter. Wie andere Güter auch, werden sie auf einem Markt gehandelt, der Angebot und Nachfrage über Preise koordiniert. Allerdings weist der Drogenmarkt eine Besonderheit auf: Ein Großteil der Nachfrage, nämlich die der bereits Süchtigen, reagiert äußerst preisunelastisch, das heißt, selbst bei starken Preiserhöhungen konsumieren sie nur geringfügig weniger. Zudem ist der Drogenmarkt illegal.

Die Ziele einer vernünftigen Drogenpolitik dürften sein:

  • Schutz potentieller Erstkonsumenten,
  • Schaffung menschenwürdiger Bedingungen für bereits Süchtige,
  • Förderung des Entzugs für Ausstiegswillige.
  • Schutz der Gesellschaft vor den Folgen des Drogenkonsums.

Ganz offensichtlich wird keins dieser Ziele erreicht. Der Grund: Das Konzept, Drogen zu verbieten, ist schlicht verfehlt, weil es die Besonderheiten des Drogenmarktes, seine Logik, außer acht läßt. Im Verbot stecken, ökonomisch betrachtet, drei Kardinalfehler.

Erstens Handel und Konsum eines Gutes können nie völlig unterbunden werden – die Kosten wären exorbitant. Allerdings kann die Angebotsmenge verknappt werden. Auf dem Drogenmarkt trifft dann das reduzierte Angebot auf eine preisunelastische Nachfrage. Folglich steigen die Preise enorm, und den weitaus größten Teil des Marktumsatzes kassiert die Händlermafia – als Knappheitsprämie. Diese – vom Staat nicht gewollte, aber doch bewirkte – enorme Verdienstspanne bringt international agierende Verbrecherorganisationen ins Spiel. Milliardengewinne locken; gegen ein solches Kosten-Ertrags-Kalkül ist mit den üblichen Repressionen nicht anzukommen.

Zweitens: Wer süchtig ist, braucht den Stoff um fast jeden Preis und gerät dadurch in wirtschaftliche Not. Neben der Prostitution bleiben ihm meist nur zwei Möglichkeiten, die Sucht zu finanzieren: die Beschaffungskriminalität oder der Drogenhandel. Die so verursachten gesellschaftlichen Kosten sind hoch, das Leid der Süchtigen, die zu einem Leben im Getto verurteilt sind, ist groß.