Günter Döding, der ideenreichste Gewerkschaftschef, wird Opfer der Co op-Affäre

Von Erika Martens

Daß er in den Strudel der Affäre um den Handelskonzern co op geraten könnte, hat Günter Döding, Chef der Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG), schon lange geahnt. Schuldig schien er sich freilich nicht zu fühlen, aber er fürchtete dfe Rache derjenigen, die er als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens für eine dubiose Geschäftspolitik zur Rechenschaft ziehen mußte.

Es waren Menschen, die – wie etwa co op-Chef Bernd Otto – aus dem gleichen Stall stammten wie er. Menschen indes, die ihm längst über den Kopf gewachsen waren, obwohl sie eigentlich seiner Aufsicht unterstanden. Damals, Anfang November, war er noch sicher: "Das stehe ich durch." Am 19. Februar, als seine Ahnungen sich bestätigten, hielt Günter Döding nicht durch. In der Zentrale der Gewerkschaft schnitt er sich die Pulsadern auf. Mitarbeiter fanden ihn zwei Stunden später blutüberströmt.

Mittlerweile ist der 58jährige außer Lebensgefahr. Doch ob er je wieder in Amt und Würden zurückkehren wird, ist mehr als ungewiß. Selbst wenn es nicht stimmen sollte, daß Döding auf Kosten von co op ausgedehnte Reisen unternahm und Anlaß hatte, sich für "diverse Aigner-Geschenke" zu bedanken, bleibt die Rückkehr des offensichtlich schwer angeschlagenen Mannes in seine alte Position sehr unwahrscheinlich.

Zwar mehren sich die Zweifel, daß der vermutliche Auslöser des Selbstmordversuchs echt ist. Jener Brief Dödings an den mittlerweile geschaßten co op-Chef, den der Spiegel abdruckte, enthält nämlich nicht nur eine Reihe seltsamer Ungereimtheiten. Er ist auch dem co op-Chef selbst nicht bekannt. Das jedenfalls erklärte Ottos Frankfurter Rechtsanwalt Rainer Hamm der ZEIT. Und Hans Friderichs, neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Handelshauses, betont, weder die Wirtschaftsprüfer noch Mitarbeiter des Unternehmens seien bei der Suche nach einer Kopie des Schreibens oder anderen belastenden Unterlagen gegen Döding fündig geworden.

Dennoch scheint es in dem Konzern nicht ungewöhnlich gewesen zu sein, die Aufsichtsräte statt mit fürstlichen Tantiemen durch Reisen, Präsente oder "Vertrauensspesen" (Werner Veigel, bis Ende Dezember Aufsichtsratschef) für ihren Arbeitsaufwand zu entschädigen. Das im Vergleich zu anderen Großbetrieben eher bescheidene Salär von 6000 Mark im Jahr für einfache Mitglieder und 12 000 Mark für den Vorsitzenden ließ sich so offenbar lange Zeit unbemerkt aufbessern.