Der Frankfurter Korruptionsskandal wirft lange Schatten aufs Rathaus

Anfang Februar dieses Jahres wurde die Firma Grzanna endgültig von der städtischen Vergabeliste für Gartenbauarbeiten gestrichen. Zu eng ist der Name des Ehepaares noch immer mit dem Korruptionsskandal in der Frankfurter Stadtverwaltung verwoben.

Und doch wirft diese Entscheidung einen Schatten auf das Rechtsempfinden der Magistratsvergabekommission einer, so müßte man meinen, geläuterten Stadt. Schließlich waren ja die Grzannas laut Urteilsbegründung im Frankfurter Schmiergeldprozeß langjährige Opfer des ehemaligen Abteilungsleiters im Garten- und Friedhofsamt Alfons Weil. Erst ihre Aussage ermöglichte die Aufdeckung einer Korruptionspraxis in Frankfurter Ämtern. Doch statt Dankbarkeit gegenüber dem Ehepaar Grzanna, ist aus geheimen, uns vorliegenden Sitzungsprotokollen der Magistratsvergabekommission, die von Stadtkämmerer Ernst Gerhardt (CDU) und Baudezernent Erhard Haverkampf (SPD) geleitet wird, eher Rache herauszulesen: „Tja, unsere Leute sitzen im Kittchen, verlieren ihre Stellung, und Firmen kriegen lustig ihre Aufträge weiter..., und deswegen bin ich dafür, daß wir denen den Auftrag nicht geben.“ Jemand beklagt sich in der Sitzung, daß „unsere Leute hilflos dem Staatsanwalt gegenübersitzen“. Und auch in einer darauffolgenden Besprechung bleibt die Empörung eines Kommissionsmitglieds unwidersprochen, „daß unsere Leute manchmal in sehr bedenklicher Weise in Untersuchungshaft genommen werden, und die anderen laufen frech und frei draußen herum und machen noch ihre Geschäfte dabei“.

„Unsere Leute“: Dazu zählte auch Alfons Weil, mittlerweile zu vier Jahren Gefängnis verurteilter Hauptakteur im Korruptionsskandal. Zwanzig Jahre lang kassierte er wöchentlich Hunderte von Mark, ließ sich vierteljährlich neu einkleiden und mit Geschenken bis hin zu Hochlandrindern eindecken, bevor er städtische Bauaufträge vergab.

Alfons Weil, heute als „Don Alfonso“ verrufen, galt immer als ordentlicher und strebsamer Mann. Seit 1959 bei der Stadt als gartenbautechnischer Angestellter tätig, wurde Alfons Weil 1981 endlich für seine treuen Dienstjahre mit einer neugeschaffenen Abteilung „Planung und Bau von Sportfrei- und Schulaußenanlagen“ belohnt. Der damalige Personal- und Rechtsreferent Wolfram Brück, heute CDU-Oberbürgermeister, setzte ihn gegen die Proteste der halben Stadtverwaltung durch. Er wußte, was dem Gartenbauarchitekten zum Glück und Wohl der Stadt fehlte: „Freier Entfaltungsspielraum“. Einem internen Aktenvermerk zufolge wollte er Alfons Weil nun „organisationsfreier zuordnen“ und machte ihn damit zum uneingeschränkten Herrn über die Auftragsvergabe.

Seine Dankbarkeit konnte Alfons Weil bald in Form einer kleinen unbürokratischen Hilfe unter Beweis stellen. Die Tennisplätze von Brücks renommiertem „TC-Palmengarten“ brauchten eine Generalüberholung. Gegen den Widerstand des Palmengarten-Chefs Schoser, der den vornehmen, aber lauten Verein aus dem botanischen Garten vertreiben wollte, veranlaßte Brück während dessen Urlaub die Renovierung. „Bis heute ist noch nicht geklärt, wer das Geld vorgestreckt hat“, sagt ein altgedienter städtischer Angestellter. Brück, so behauptet der Hessische Rundfunk, habe sich damals vertrauensvoll an Parteifreund Weil gewandt. Der, so ist Rechnungsbelegen zu entnehmen, hat die Anlage tatsächlich für 121 437,65 Mark unverzüglich herrichten lassen.

Ohne vorheriges Ausschreibungsverfahren hatte die Gartenbaufirma Grzanna den Auftrag übernommen. Als handele es sich bei diesem groben Vergehen gegen die Vergabe- und Bauordnung um ein Kavaliersdelikt, segnete der Magistrat den flotten Dreier eine Woche später offiziell ab. Fast die Hälfte der Arbeit war zu dem Zeitpunkt bereits getan. Die „freihändige Auftragsvergabe“, versicherte Weil dem Richter, sei von ihm selbst „und Brück unterschrieben“.