Das Buch ist in neun Informationskreise gegliedert. Jeder Kreis beginnt mit einer sinnentsprechenden bildlichen Darstellung. Die Einführung bilden 24 doppelseitige Farbphotographien, viele von hohem ästhetischen Reiz.

„Islam. Und alles in Allahs Namen“ von Karl Günther Simon; Geo im Verlag Gruner + Jahr, Hamburg 1988; 364 Seiten, 342 farbige Abbildungen; 98 Mark.

In diese photographische Wiedergabe von Landschaft und Kultur sind die Namen der betreffenden Länder oder Regionen und die Zahl der dort lebenden Muslime eingedruckt.

Der dann folgende Bildtext erzählt von abenteuerlichen Erlebnissen zu ausgefächerten Reflektionen. Nach den ersten 49 Seiten wird zudem mittels Weltkarten die Religionsausbreitung des Islam deutlich: „Jeder fünfte Mensch auf Erden neigt sich täglich gen Mekka, die heilige Stätte aller Muslime.“ Das sind fast eine Milliarde Menschen. Die Zahl der Christen in aller Welt wird mit 1,8 Milliarden angegeben.

Auch die weiteren Informationskreise mit den Themen Glauben und Wissen, islamische Geschichte, Religion und Geldwirtschaft, Staatsgestaltung und Herrschaftsausübung, Mystik, Identitätssuche in der modernen Welt bestechen durch Methodik und Präzision. Eilige Leser könnten durch die Informationsfülle in Verwirrung geraten. Empfehlenswert ist es, das Buch in Muße zur Hand zu nehmen. Form und Inhalt des Textes spiegeln die Persönlichkeit des Autors wider. Wechselnd zwischen Studien und Reiseerlebnissen, wurde er Verehrer des Islam. Simon, 1933 geboren, seit 1959 Auslandsreporter, lernte die arabische Sprache. Deren Hintergründigkeit verlockte ihn, am Leben der Muslime in vielen Ländern teilzunehmen und mit ihnen zu diskutieren. Vorbehaltlos versenkte er sich in fremde Mentalität.

Der Autor erläutert, daß der Muslim die subjektive, zweiflerische Auseinandersetzung des heutigen Christen oder Atheisten mit der Religion nicht kenne. „Islam“ bedeute „Unterwerfung“, schreibt Simon. Der Duden hingegen übersetzt mit „Hingebung“. Der Buch Untertitel verkündet kategorisch: „Und alles in Allahs Namen.“ Also auch blutige Gewaltanwendung und Terror. Selbst hierfür wirbt der Autor um Verständnis. Das verblüfft, gelinde gesagt.

Im Blick auf 1,4 Millionen Türken und 130 000 Araber in der Bundesrepublik sucht Simon nach historischen Sympathiezeugnissen zwischen Deutschen und Islamiten. Da gab es zahlreiche Beispiele, doch bleibt offen, ob es sich um wesenhafte Zuneigung handelte. Der 1220 zum Kaiser gekrönte Friedrich II. war zweifellos Liebhaber arabischer Kultur. Im 18. Jahrhundert dienten Türken und Tataren als militärische Einheiten im preußischen Heer. Von den Regenten wurden sie als exotische Attraktion geschätzt. Hochtönende Freundschaftsbeteuerungen im 19. und 20. Jahrhundert verschleierten geharnischte politische und wirtschaftliche Interessen.