Helmut Salzinger:

Stille Wasser/Ohne Menschen

Sowohl der letzte Gedichtband Helmut Salzingers, „Stille Wasser“ (Head Farm, Odisheim; 102 S., 30,– DM), als auch sein neuer Prosaband „Ohne Menschen“ (Die grüne Kraft, Löhrbach; 115 S., 15, – DM) fächern die Komplexität des Gefüges zwischen Subjekt und Natur auf. Allerdings handelt es sich bei diesen Texten weder um Naturlyrik im herkömmlichen Sinn noch um Geschichten, in denen es um Naturerlebnisse geht. Fern von Öko-Kitsch und romantischen Geborgenheitsgefühlen im Natürlichen artikuliert sich ein kühler, deskriptiver Lakonismus. Stärker als an europäischen ist Salzingers Diktion an amerikanischen Traditionen orientiert. Die Phänomene des Draußen – Wind, Regen, Sonne, Erde – werden nicht hymnisch gefeiert, sondern in ihrem nackten, oft grausamen Dasein schlicht benannt. Wenn der Untertitel der Prosa „Erzählungen einer Landschaft“ heißt, so ist damit angedeutet, daß hier die Dinge gewissermaßen aus sich selbst sprechen sollen. Dennoch gibt es in diesen Texten ein ordnendes Ich, in dem sich die Wahrnehmung bündelt. Beide Bücher sind Variationen eines Themas: Wie läßt sich Natur beschreiben, ohne in dieser Beschreibung über sie herrschen zu wollen?

Klaus Modick

Thomas Meinecke: Holz

Als „literarische Pop-Singles“ hat ein Kritiker die bisherigen Prosaarbeiten Thomas Meineckes bezeichnet. Wenn sie es doch wären! Die „beschwingt monologische Verfassung“, in der sich der Ich-Erzähler in „Holz“ (Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 1988; 109 S., 22,– DM) vorstellt, verbreitet eher das Timbre eines verquälten deutschen Schlagers. In einem gespreizten Tonfall, der offenkundig Ironie signalisieren soll, trägt der Erzähler die Erlebnisse eines Literatur-Stipendiaten in West-Berlin vor. Von Hippie-, Punk- und sonstiger Subkultur enerviert, preist der junge Dichter die Normalität und findet die Teilstadt entsetzlich. Drei lesbische Damen, gerade aus dem anderen Teil Deutschlands entflohen, kreuzen seinen Weg und motivieren ihn zu tiefsinnigen Spekulationen über weibliche Sexualität und deutsche Teilung. Der schwadronierende Jungautor ermannt sich schließlich zu dem Plan, den Regierenden Bürgermeister, den „Schulzen“, mit einem Luftgewehr zu erschießen. Sein Motiv ist denkbar schlicht: „Jene höhere Gerechtigkeit, die sich in persönlicher Genugtuung verbirgt.“ Der Schuß geht daneben – wie so manches in diesem Buch.

Peter Körte