Mit gutem Service will eine neue Fluggesellschaft der Lufthansa Konkurrenz machen

Vielfliegern und Reisebüros flatterte Mitte Februar Post ins Haus: Die Münchner Fluggesellschaft German Wings kündigte ihren für den 10. April geplanten Start ins heiß umkämpfte Liniengeschäft an. An guten Vorsätzen mangelt es den Newcomern nicht. Sie wollen so ziemlich alles besser machen als die im Inlandsgeschäft bislang dominierende Lufthansa. So werden die vier Jets vom Typ McDonnell Douglas MD 83, die maximal bis zu 173 Passagiere fassen, mit nur 114 Sitzen ausgestattet. Auf jeder Seite des Mittelganges wird es nur je zwei Plätze geben, die unbeliebten Mittelsitze entfallen. Außerdem entspricht die Qualität der Sitze der, die andere Linien in der Business-Klasse anbieten, und auch der Bordservice wird üppiger sein als bei der Lufthansa, die ihre innerdeutschen Fluggäste mit simplen Snackbeuteln abspeist.

Mehr Qualität zu den Economy-Tarifen der Lufthansa haben die Münchner also auf ihre Fahnen geschrieben, und damit verfolgen sie ein ganz anderes Konzept als der Ferienflieger Aero Lloyd. Der betreibt bereits seit Oktober vergangenen Jahres den Liniendienst mit etwa fünfzehn Prozent niedrigeren Tarifen, aber eng bestuhlten Chartermaschinen.

„Wir verstehen uns als Dienstleistungsunternehmen. Uns geht es darum, daß die Passagiere für ihr Geld auch etwas Vernünftiges bekommen“, so hütet das Credo von Peter Kimmel, der zusammen mit seinem Bruder Christian die Geschäfte von German Wings (Deutsche Flügel) leitet. Die beiden Jungflieger halten auch vierzig Prozent des Stammkapitals in Höhe von 21,25 Millionen Mark. Mit weiteren vierzig Prozent ist die F&F Burda Gesellschaft für Beteiligungen dabei, und zwanzig Prozent hält die Bayerische Unternehmensbeteiligungs-Gesellschaft. Mit diesen potenten Partnern an Bord hoffen die Kimmeis, den Start in das harte Fluggeschäft bewältigen zu können. An Optimismus fehlt es ihnen nicht, denn sie peilen mit etwa 350 000 Passagieren pro Jahr einen Marktanteil von mindestens fünf Prozent an: „Wenn wir die Maschinen wenigstens halbvoll bekommen, können wir die Gewinnschwelle erreichen“, meint Christian Kimmel.

Aber noch bevor der Neuling am deutschen Himmel auftauchte, hatte er mit kräftigem Gegenwind zu kämpfen. Die Lufthansa sah ihre Pfründen gefährdet. Als die Kimmeis im vergangenen Herbst der Staatslinie vorschlugen, man möge sich doch auf die gegenseitige Anerkennung der Tickets verständigen, damit die Passagiere beliebig von einer Gesellschaft auf die andere umbuchen können, stießen sie auf Ablehnung. Zwar wären, anders als bei Aero Lloyd, wegen der identischen Tarife die Voraussetzungen für ein solches Interlining durchaus gegeben, aber die Lufthansa-Strategen wollten sich nicht einmal auf ein Gespräch einlassen.

Für German Wings ist ein Interline-Abkommen mit Lufthansa ganz wichtig. Denn mit ihrer kleinen Flotte können die Münchner zunächst nur wenige Male pro Tag zwischen den Städten München, Hamburg, Frankfurt, Köln und Paris hin- und herfliegen. Geschäftsleute legen aber Wert darauf, kurzfristig auf einen anderen Flug umbuchen zu können. Aber nur die Lufthansa kann dank ihrer großen Flotte auf vielen Routen einen Stundentakt bieten. Davon will der Neuling profitieren.

Lufthansa-Sprecher Klaus-Ulrich Möller sieht denn auch keinen Sinn in den Avancen des Herausforderers: „Wenn uns German Wings Konkurrenz machen will, warum brauchen sie dann noch solche Absprachen?“ Überhaupt sei im Zuge der Liberalisierung ja damit zu rechnen, daß wegen der immer mehr differenzierten Tarife in Europa das Konzept des Interlinings ohnehin zu verschwinden drohe. In der Tat hatte die Lufthansa einem britischen Konkurrenten, der auf den Strecken von München und Düsseldorf nach London fliegenden Air Europe erst vor wenigen Wochen das anfangs noch zugestandene Interlining wieder aufgekündigt.