Der Erfolg von Organverpflanzungen, für viele chronisch Kranke oft lebensrettend, ist von vielen Bedingungen abhängig: von der chirurgischen Fertigkeit der Ärzte, von der technischen Ausstattung der Transplantationskliniken, von der geschickten Modulation unseres Immunsystems und schließlich und nicht zuletzt von Quantität und Qualität der Spenderorgane. An gut ausgebildeten Transplantationsmedizinern fehlt es nicht. Die führenden Zentren in Hamburg, Hannover, Münster und München sind gut ausgestattet, sie könnten viel mehr leisten, wenn mehr Spenderorgane zu Verfügung stünden. An die Bereitschaft zur Organspende würde zuwenig appelliert, meinte kürzlich der Münsteraner Transplantationsmediziner Arno Lison: auch Ärzte könnten in der Beratung hier mehr tun. Fortschritte der immunologischen Forschung haben zur Vermeidung sogenannter Abstoßungsreaktionen maßgeblich beigetragen. So werden die zahlreichen geglückten Organverpflanzungen — im letzten Jahr wurden 1800 Nieren bei uns verpflanzt — von der Öffentlichkeit kaum noch zur Kenntnis genommen. Die erste erfolgreiche Herzübertragung, die der Chirurg Christian Barnard 1967 in Kapstadt vorgenommen hat, gehört heute schon zur Geschichte, wie die erfolgreiche Austricksung des Immunsystems.

Die Abwehr gegen körperfremdes Eiweiß, gegen eindringende Krankheitserreger organisiert das Immunsystem. Es programmiert die Abwehr, zwischen eigenen und fremden Zellen unterscheiden zu können (siehe ZEIT Nr 889).

Organspenden, wie Niere, Leber oder Herz, werden vom körpereigenen Abwehrsystem erkannt und gnadenlos vernichtet: Die Abstoßungsreaktion ist unvermeidbar, wenn nicht die Abwehr vorher blockiert wird. Die Immunspezialisten, die mit Christian Barnard in Kapstadt zusammenarbeiteten, haben mit noch recht plumpen Methoden ihrem Kollegen den Erfolg ermöglicht. Sie haben die Abwehr pauschal in allen Strukturen ungezielt unterdrückt. Dies gelingt mit Medikamenten wie Imurek und Kortison — manchmal ungenügend, oft auch überschießend. Erst als es den Immunologen gemeinsam mit den Arzneimittelforschern gelang, Wirkstoffe zu entwickeln, die sanfter die Abwehr blockieren, konnten die Transplantationsmediziner so große Erfolge verzeichnen. Jetzt sind Medikamente verfügbar, die aus ringförmig angeordneten Eiweißsäuren bestehen, den Cyclosporinen A. Zusätzlich können mit geringen Dosen von Kortison Abstoßungsreaktionen meistens verhindert werden. So können jetzt die großen Transplantationszentren mit Erfolgsquoten bei Nierenverpflanzungen von 85 Prozent rechnen.

Aber die Verlustrate für die "immunologischen Risikogruppen" ist mit fast 20 Prozent noch hoch. Bei diesen bedauernswerten Kranken, denen schon wiederholt Organe verpflanzt wurden, haben vorgeformte Antikörper die Einheilung des Organs verhindert. Wichtig für das Gelingen einer Transplantation ist das Ergebnis einer "Gewebe Kreuzprobe" vor der Operation. Werden die genetisch bedingten Gewebeeigenschaften von Spender und Empfänger halbwegs zueinander passen? Die Immunologen sind in ihrer Antwort darauf vorsichtig: eine ideale Übereinstimmung, "perfect matching", gibt es nur bei eineiigen Zwillingen. Bei allen anderen kann es günstigenfalls ein annehmbares "mismatching" geben. Nicht gerade ein ermunterndes Ergebnis für die Betroffenen — die Patienten und Ärzte.

Auf der Suche nach besseren Wirkstoffen zur Beeinflussung der Immunlage wurden jetzt in einer durch Genforschung stimulierten Wissenschaft sogenannte monoklonale Antikörper entwickelt. Als Klon werden Zellen verstanden, die aus asexuelller Vermehrung stammen, also identisch sind. Sie können durch "Hybridisierung", durch Verschmelzen mit einer Tierzelle, fast industriell erzeugt werden. In den Vereinigten Staaten spielt heute schon die "Gen Tech" Industrie eine große Rolle.

Die Immunabwehr wird ja durch di e in unserer Thymusdrüse für die Abwehr programmierten Lymphozyten geleistet. Die T Lymphozyten, sofern sie vom "Helfertyp" sind, erkennen körperfremdes Eiweiß, sie alarmieren die anderen TLymphozyten, die als "Killer" Dienst tun. Ein Antikörper, der sich nur gegen T 3 Lymphozyten (eine Untergruppe der T Lymphozyten) richtet, ist von der erwünschten hohen Spezifität. Nicht mehr ungezielt, wie früher einem Schrotschuß gleich; heute kann gezielt die Abwehr getroffen werden. Die T 3 Antikörper, sie werden irr Mäusen hybridisiert, bestehen nur aus einem Klon, sind "monoklonal" und spezifisch; sie reagieren ausschließlich auf T Zellen und blockieren nur deren Aktion.

Die OKT 3 Antikörper, sie werden von der Cilag, der Tochter eines amerikanischen Pharmakonzerns, hergestellt, sind im wahrsten Sinne des Wortes zur letzten Rettung vieler von Abstoßungsreaktionen bedrohter Organempfänger geworden. Zur "Rescue Therapy" werden sie eingesetzt, wenn durch bestimmte Krankheitszeichen eine bevorstehende Abstoßungsreaktion sich ankündigt und die vorgenommene Immunsuppression mit Cyclosporin A sich als nicht ausreichend erwiesen hat.