Schleswig: „Ernst Barlach – Denkzeichen“

Die Barlach-Ausstellung wurde zusammengestellt von der Akademie der Künste der DDR; 230 Exponate, Skizzen, Zeichnungen, Modelle, Bronzen und Holzarbeiten, Vorstudien und Entwicklungsstufen der wenigen großen, monumentalen Auftragsarbeiten Ernst Barlachs; seine Grabmäler und seine Denkmäler, die Entwürfe dazu sowie alles, was in den thematischen oder stilistischen Umkreis gehört oder zu gehören scheint. Der „Güstrower Engel“ und das „Hamburger Ehrenmal“, das „Magdeburger Ehrenmal“ und der Kieler „Geistkämpfer“ oder die „Schmerzensmutter“ – es sind Male gegen den Krieg, alles andere als heroische Verherrlichungen soldatischer Tugenden; Leid und Kummer und Tod als Menetekel, kein Glorifizieren der kriegerischen Taten und der Helden der Geschichte, des Sterbens für Gott und Kaiser und Vaterland. Es ist eine informative Ausstellung, die sehr sorgsam die einzelnen Stadien der Entstehung festzuhalten sucht, auch der Entwicklung des Künstlers selbst. Es ist eine sehr ästhetische Ausstellung, der die Publikumsgunst gewiß ist, weil sie Wiedererkennen zuläßt und das Unbequeme in und zwischen den Werken verborgen bleiben kann. Nicht daß nicht angesprochen wäre, wann wo welche Denkmäler Barlachs (und nicht nur sie) deutschem Größenwahn zum Opfer gefallen sind; die Fakten werden genannt für die Zeit des Nationalsozialismus und für die Zeit danach, nur – es entfällt das Nachfragen für die Zeit nach 1945, da der Umgang mit Barlach in Deutschland-Ost und Deutschland-West so unproblematisch nicht war, wie es heute und hier scheint.

Vielleicht wäre sie zu schön, diese Ausstellung, wären da nicht kleine Stolpersteine: die unscheinbare Hindenburgstatuette aus Ton (1915) etwa, die ein martialischer Denkmalentwurf sein könnte, wäre sie nicht Paul Cassirer aus der Hand gefallen: Ein kräftiger Sprung mitten hindurch, ein brüchiger Hindenburg, eine freiwillig-unfreiwillige Satire über unseren Umgang mit deutschen Denkmälern. (Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloß Gottorf bis 9. April, Katalog 25 Mark)

Ernst-Jürgen Walberg