These, Antithese, Synthese – die energiepolitische Diskussion in der Bundesrepublik verläuft gegenwärtig, als wär’s ein Testfall für das dialektische Prinzip. Seit der Treibhauseffekt als „eine der größten Gefahren der Menschheit“ weithin akzeptiert ist, haben die Befürworter der Kernenergie wieder Oberwasser. Würden mehr Kernkraftwerke gebaut, so argumentieren sie, käme weniger Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in die Atmosphäre. Die drohende Klimakatastrophe wäre so gebannt.

Doch Kritiker der Atomkraft lassen solche Argumente nicht gelten. Die Strategie sei viel zu langwierig, zu teuer und bei weltweiter Betrachtung schlicht utopisch. So viele Reaktoren könnten gar nicht gebaut werden, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. Sie empfehlen statt dessen Energiesparen als die schnellere und billigere Alternative.

Jetzt endlich hat einer den Versuch gemacht, das lähmende Patt der Argumente aufzulösen. Und das ist ganz einfach. Die Menschheit braucht alles, sagt Wolf Häfele, Chef der Jülicher Kernforschungsanstalt: Energiesparen, Kernenergie und alternative Energien – je mehr, desto besser, getreu der alten Wachstumsdevise. Und vor allem braucht sie den schnellen Brüter, den er erfunden hat, der bisher als Baustelle in Kalkar aber nur Milliarden verschluckte.

Bei seinem arglos-listigen Vorschlag hat Häfele allerdings einen Grundsatz übersehen, der für die Ökonomie so wichtig ist wie Sepp Herbergers Axiom, der Ball sei rund, für den Fußball: Jede Mark kann nur einmal ausgegeben werden – entweder für energiesparende Investitionen oder Atommeiler. Nach den Regeln der Ökonomie gewinnt Energiesparen.