Bei jedem Schritt holt er zuerst mit dem linken Bein aus, so, als müsse es über einen Hügel, und kommt der Fuß dann auf den Boden, muß er zusehen, daß er seinen Oberkörper wieder einigermaßen in die Mitte kriegt. Aber der hängt weiter ein Stück rechts rüber, und tritt er schließlich mit dem rechten Bein zu, kriegt er das linke nicht gerade. Die rechte Hand scheint das linke Bein zu dirigieren, und die linke das rechte, doch seine rechte Hand ist offen, wenn sie den Balanceakt macht, und sind zu viele Leute um ihn herum, legt schon mal jemand Geld in die offene Hand. Ist das vielleicht kein Drahtseilakt? Die Nummer läuft fast ununterbrochen.

Aber die Hand kann das Geld nicht halten. Deshalb klimpert es, wo er geht und steht. Aber das Geld einfach fallenlassen? Da wirft man es eben mal hinterher, auf diese staksende Zielscheibe. Und hat er die Luft zwei oder dreimal getreten, wartet er ab und stemmt seine Hände in die Hüften. Er hat ja einen Teil der Bescherung hinter sich, und sammelt dann weder Blicke noch Zeichen. Seine Lippen sind es, die seinen nächsten Schritten den Marsch blasen. Wie hüpfende Tasten bei einem elektrischen Klavier zuckt es da oktavenweise, und ran geht es wieder mit: hoch das Bein.

Manchmal macht er mehrere Versuche, mit seinem linken Fuß zuerst zu landen. Dann tritt er die Luft, als wolle sie nichts herunterlassen und wäre nur seinetwegen ganz anders. Jacke und Hemd verschieben sich bei Schritt und Tritt, spielen ihre eigenen Nummern, dieses Krumpelzeug, und die Hosenbeine sehen aus wie in die Länge gezogene verwaschene Lappen. Der linke Hosenrand ist abgewetzter als der rechte, da hängen die Fäden herunter; durchsichtige Staubvorhänge. Nun ist er mit einer neuen Hose auf Achse, der man auch noch eine Bügelfalte zutraut, falls sie langsam zu einem Lappen wird.

Und was macht sie bei jedem neuen Lufttritt? Sie flattert, scheint Beifall zu spenden für das waghalsige Hoch und Runter. Ein Änderungsschneider muß den Hosenrand gekappt haben, sie ist mindestens acht bis zehn Zentimeter kürzer geworden, man kann sogar die neuen, wasserdichten Stiefel sehen. Versucht er deshalb noch gezielter zuzutreten als in den ausgedienten Latschen? Den Kopf muß er bei der ganzen Treterei in den Nacken legen und nach oben blinzeln. Da ist nur Luft und unter den Stiefeln auch.