Während die deutsche Industrie im allgemeinen gern vom europäischen Binnenmarkt und dem ungehinderten Warenverkehr innerhalb der EG nach 1992 träumt, löst dieser Gedanke in der hiesigen Elektrizitätswirtschaft keineswegs Begeisterung aus. Die Münchner Bayernwerk AG möchte sich nicht von der französischen Konkurrenz, die immer wieder mit Sonderangeboten ihre in fast sechzig Kernkraftwerken erzeugten Überschußmengen in der Bundesrepublik losschlagen will, auf eigenem Boden Konkurrenz machen lassen. „Technische und Sicherheitsgründe“, führt das Unternehmen gegen den ungehinderten Stromfluß aus dem Ausland ins deutsche Leitungsnetz an.

Die Bayern ärgern sich darüber, daß sie einerseits von den französischen Billigangeboten bedrängt werden, andererseits die Franzosen aber gelegentlich um deutsche Stromlieferungen bitten, weil durch Streiks oder technische Pannen in ihren Kernkraftwerken Versorgungsausfälle entstehen. „Wir denken nicht daran, denen, die uns Konkurrenz machen wollen, in Notfällen auszuhelfen“, wettert Bernd Lupberger vom Bayernwerk-Vorstand. Der Preisdruck der Franzosen, die ihren Strom zum Teil um vierzig Prozent billiger anbieten als deutsche Kraftwerke, zeigt dennoch erste Wirkung. Das Bayernwerk hat jetzt beschlossen, die Strompreise zu senken.

Die Aktionäre des einst blühenden Textilunternehmens Girmes AG verlieren ihr Vermögen, 400 von 1900 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. Das ist die Konsequenz des Anschlußkonkurses, der dem Anfang Februar beantragten Vergleich folgte. Die Geschäfte werden von einer zum 1. März neugegründeten Girmes GmbH weitergeführt, an die der Düsseldorfer Rechtsanwalt Dieter Zirpins als Konkursverwalter das Vermögen der Girmes AG verkauft hat.

Der Kaufpreis reicht nach Angaben von Zirpins aus, die Sozialplankosten für die ausscheidenden Mitarbeiter – die Arbeitsplätze wären auch bei einer Sanierung von Girmes gestrichen worden – zu decken und die Forderungen der Banken und Lieferanten „in großem Umfang“ zu befriedigen. Gesellschafter der Girmes GmbH sind die Aris Beteiligungs-GmbH, Hamburg und die TAG Textilausrüstungs-Ges. Schroers GmbH & Co KG, Krefeld.

Eine Sanierung der Girmes AG war in der außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Februar gescheitert.

Weil die Gelegenheit günstig ist, schreitet die Deutsche BP voran. Im April will sie ihre noch verbliebenen Raffinerien in Vohburg und Ingolstadt in eine neue Gesellschaft einbringen, an der auch der bisherige Ingolstädter Partner Agip beteiligt sein wird. Die Firma soll nicht nur rationeller arbeiten, sondern auch dem Chemie-Arbeitgeberverband beitreten. Bei Neueinstellungen in den Raffinerien kann die BP dann niedrigere Löhne als bisher zahlen.

Die Mineralölfirmen hatten zwar immer die IG Chemie als Tarifpartner, dich sie schlossen mit ihr und dem Betriebsrat Haustarifverträge. Und die sind so gut dotiert, daß die Beschäftigten auch nach einigen miesen Jahren der Branche noch Spitzenlöhne kassieren. Gemessen am Durchschnittslohn rangieren sie an erster Stelle mit weitem Abstand vor denen der Autoindustrie oder dem Büromaschinengewerbe, ganz zu schweigen von den Lohnempfängern der seit Jahren boomenden Cherrieindustrie, die im Schnitt ein Sechstel weniger verdienen.