Hamburg

Ihre Chance als Photomodell und Modemodell", stand über der Zeitungsannonce Das hat Ins H., 29 Jahre alt, Angestellte, blond und etwas pausbackig, "einfach neugierig" gemacht Sie wählte die Nummer des "Modellteams" von Karl-Heinz D "Okay, kommen Sie vorbei", sagte dessen Ehefrau Christine, und Iris H kam

Auf dem Laufsteg müsse man sich ja richtig bewegen können, erzahlte Christine D der Iris H und, nach und nach, etwa weiteren 70 Frauen und Männern Vorbildung in Form von Balletterfahrung oder Gymnastikunterricht – nein’ Nicht schlimm, die Firma "Modellteam" von Karl-Heinz D war gern bereit, das ihrige zu tun, damit ihre zukunftigen Mitarbeiter ihr Platzchen unter den internationalen Starmannequins fanden

Für 200 Mark wurden erst mal professionelle Photos der Aspiranten gemacht, im Kleid, im Sakko, im Jogginganzug Denn die Photos, die die zukunftigen Mannequins und Dressmen mitbrachten, hatten sie natürlich nie an eine Vermittlungsagentur schicken können, das redete Karl-Heinz D ihnen gleich aus "Das waren so Hausfrauenbilder, wo die Familie dabeisaß " Und für weitere 150 Mark zeigte er, der vor seinem Einstieg in die Welt der Moden als Heizungsmonteur und Versicherungsvertreter sein Geld verdient hatte, wie man sich auf dem Laufsteg zu bewegen hat, "vom Umziehen bis Schwenken, alles drum und dran"

Hatten sie das Umziehen und Schwenken, das Schminken, Laufen, Gehen und Sitzen, alles mit Haltung, ordentlich gelernt, so durften die frischgebackenen Modelle gleich auf ihre erste Tour gehen Es ging durch Hamburg und diverse Ostseebader, wo Karl-Heinz D die Mode ortsansässiger Boutiquen und Bekleidungshauser vorfuhren ließ Der 22jährigen blonden Tanja R hat das sehr gefallen Gegen Karl-Heinz und Christine D will die Umschulenn gar nichts Böses sagen, auch wenn das Ehepaar nun vor dem Hamburger Amtsgericht sitzt, weil der Staatsanwalt meint, die beiden hatten gegen den Paragraphen 263 des Strafgesetzbuches verstoßen und seien Betruger

Auch Inge M.‚ Hausfrau, 54 Jahre alt ("Es wurden ja auch etwas altere Damen gesucht"), erinnert sich gern an ihre Auftritte vor den Sommerfrischlern an der Ostsee "Wir haben unsere Getränke bekommen, wir haben unsere Brotchen bekommen", und da war es nicht so schlimm, wenn es als Honorar höchstens mal 100, manchmal aber auch nur gerade 60 Mark gab

Mehr war einfach nicht drin, denn die örtlichen Modegeschafte zahlten pro Präsentation ihrer Oberbekleidung nur 250 Mark Karl-Heinz D., der mit solchen Dumpingpreisen seinen Durchbruch zu machen hoffte, mußte ordentlich zuzahlen Bei dem Auftritt auf dem Campingplatz an der Ostsee etwa, wo Joggingmode und Badeanzüge vorgeführt wurden, trat er schließlich gleich mit 50 Modellen, Kindern und Clowns an