Ob Berthold Beitz seinem Nachfolger Manfred Lennings vor der Amtsübergabe am 21. Juni eine unangenehme Aufgabe abnehmen wollte oder ob es ihm ein Bedürfnis war, dem Krupp-Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Scheider noch selbst den Stuhl vor die Tür zu setzen, weiß wohl nur er selbst. Auf jeden Fall ist Scheider seit Mittwoch nicht mehr im Amt und damit zehn Monate vor Ablauf seines Vertrages ausgeschieden.

Lennings wird von Juni an als Aufsichtsratschef mit dem Vorstandsvorsitzenden Gerhard Cromme ein neues Team bei Krupp bilden. Doch so schlecht, wie das jetzt scheinen mag, hat Scheider auch nicht gearbeitet. Gewiß, Verluste im Anlagenbereich überschatten das letzte Jahr seiner Amtsführung; Verluste überdies, die früher hätten aufgedeckt werden müssen. Aber dem stehen durchaus verdienstvolle Taten gegenüber. Und die sind um so höher zu bewerten, als Beitz oft genug gebremst hat.

Scheider muß sich nur vorwerfen oder vorwerfen lassen, daß er nicht schon viel früher aus eigener Initiative den Job gekündigt hat. Denn das Verhältnis zwischen dem Krupp-Verweser Beitz und seinem höchsten Angestellten war längst zerrüttet. Obwohl Scheider wissen mußte, daß nichts mehr zu kitten war, hat er immer wieder versucht, mit Beitz ins reine zu kommen, hat gelächelt, statt die Zähne zu zeigen. Seiner Reputation hat das nicht gedient. Das Opfer blieb ihm am Ende doch nicht erspart. hgk