Ein Kompromiß war für die Bergleute von Trepča indiskutabel. Nun brachte ihre Hartnäckigkeit einen Teilerfolg: Anfang der Woche traten drei albanische Spitzenfunktionäre im Kosovo zurück. Das war eine Bedingung, die die 800 Kumpel zum Abbruch ihres Hungerstreiks unter Tage gestellt hatten.

Rahman Morina, Parteichef von Kosovo, Husamedin Azemi, Parteivorsitzender der Provinzhauptstadt Priština und Ali Sukrija, der Vertreter Kosovos in der jugoslawischen Parteiführung, galten als Gewährsleute des serbischen Parteichefs Slobodan Milošević, gegen dessen Politik sich der Streik vor allem richtete. Auf sein Betreiben hatte das serbische Parlament eine Verfassungsänderung beschlossen, die den autonomen Status von Kosovo erheblich einschränken würde. Doch die autonome Provinz Kosovo verweigert die erforderliche Zustimmung. Sie wehrt sich durch einen Generalstreik. Im Sportzentrum von Priština protestieren 8000 Studenten mit einem Dauer-Sit-in. Der Omnibusbetrieb ist lahmgelegt, die meisten Lebensmittelgeschäfte sind geschlossen. Die Redakteure der albanischsprachigen Tageszeitung Rilindija forderten die Absetzung ihres Chefredakteurs; er verhindere eine wahrheitsgetreue Berichterstattung, hieß es. Die Verteidigung nationaler Rechte verbinden die knapp zwei Millionen Albaner im Kosovo so mit dem Kampf gegen Zensur und für demokratische Freiheiten in einem Einparteienstaat.

Einseitige Propaganda hat den Nationalitätenkonflikt im Vielvölkerstaat Jugoslawien verschärft. Aufgebracht vom albanischen Widerstand pochen nun im Gegenzug die Serben auf ihre Rechte. Aus Protest gegen den Rücktritt der drei albanischen Funktionäre zogen am Dienstag 800 000 Demonstranten vor das Parlament in Belgrad. Kosovo, aus historischen Gründen von den Serben beansprucht, soll den Albanern nicht überlassen bleiben – auch wenn sie fast neunzig Prozent der Bevölkerung ausmachen. Das Staatspräsidium beschloß „Sondermaßnahmen“ und entsandte Einheiten der paramilitärischen Bundespolizei zum „Schutz der öffentlichen Ordnung“ in die unruhige Provinz.

Doch Panzer, Polizei und serbische Massenproteste können die Albaner mit ihrem neuen Selbstbewußtsein, ihrer unbeirrbaren Entschlossenheit und erstaunlichen Selbstdisziplin kaum einschüchtern. Gegen eine Lösung, die den augenblicklichen Status der Provinz verschlechtert, werden sie sich verbissen wehren. „Dafür gehe ich auch ins Gefängnis“, sagte der Vorsitzende des Schriftstellerverbandes.

hh