Natürlich fand ich es auch einfach unerhört, was sich dieser Herr Chomeini leistet. Da sind wir uns doch alle so wunderbar einig, in dieser Frage kennen wir keine Parteien mehr, und außerdem sind wir jetzt auch geradezu unheimlich mutig, den weniger Mutigen fehlenden Mut vorzuwerfen, weil das jetzt die Zeit der Mutproben ist.

Und außerdem: diese herrliche transatlantische intellektuelle Gemeinsamkeit wie einst bei Vietnam. Die Stunde der weltweiten Proteste, davon darf sich niemand ausschließen, sonst wird der ausgeschlossen.

Auf den Protestlisten findet man wieder das „Who’s who?“ des Geistes, manch armer Teufel hat’s wieder nicht geschafft, auf der Susan Sontag-Liste zu stehen.

Das ist auch die Stunde der Islam-Experten; Scholl-Latour auf allen Kanälen. Im Grunde seines Herzens ist der Islam also tolerant und menschenfreundlich, nur reizen darf man ihn nicht, dann hat man seine Killerkommandos und Kopfgeldjäger am Hals. Zehn Millionen Mark Kopfgeld – steuerfrei! – sind schließlich kein Pappenstiel. Ein echter Moslem sollte so was allerdings gratis erledigen, plus Spesenersatz natürlich!

Und dieser Oberjäger, was für ein Promotion-Genie. Wie er einen potentiellen Ladenhüter zum Weltbestseller hochjagt, also das hat in der ganzen PR-Branche neue Maßstäbe gesetzt.

Wenn’s aber ums Drucken der „Satanischen Verse“ geht, darf sich keiner drücken. Da müssen alle mitmachen: die Verleger, die Sortimenter, die Buchhandlungen, sogar die Käufer. Das wäre die einzige Sprache, die die Killerkommandos verstehen. Oder wollen sie etwa uns alle in die Luft jagen?

Ganz zwanglos fällt einem der Ghaddafi ein, der sich jetzt wahrscheinlich ins Knie beißt, weil ihm die Show gestohlen wurde und er nicht mehr Lieblingsweltfeind Nummer eins ist. Bonn aber genießt die wundersame Ablenkung von der „Lygien-Affäre“, dürfen wir doch nun wieder Amerikas Liebling sein.