Sein knorriges Gesicht gehört wie das von Freud oder Einstein zu den markantesten dieses Jahrhunderts. Und wie jene anderen hat Konrad Lorenz, der am Montag im Alter von 85 Jahren starb, nicht nur in einer eher abgelegenen Geistesdisziplin exzelliert, sondern sich seinen Zeitgenossen auch als Symbolgestalt eingeprägt. Wofür? Die Öffentlichkeit wird Lorenz als den Alten mit den Graugänsen in Erinnerung behalten: als den Mann, der etwas von Tieren verstand und sie seinem Jahrhundert wie kein anderer verständlich machen konnte.

In den dreißiger Jahren begründete Lorenz, von Haus aus eigentlich Mediziner, die Verhaltensforschung. Seine Arbeiten über angeborene Auslöser und Bewegungsabläufe, seine Entdeckung der Prägung ordneten sich passend und produktiv in die seitdem selbstverständlich gewordene Grundidee der neuen Wissenschaft ein: daß sich das Verhalten einer Tierart auf die gleiche Weise studieren lasse wie ihre körperlichen Strukturen. Er selber war stolzer auf seinen Beitrag zur Philosophie: die evolutionäre Erkenntnistheorie.

Zuweilen hatte er wissenschaftlich unrecht, etwa mit seiner Aggressionstheorie, die leider seine bekannteste wurde. Im Alter trat er immer wieder in der Rolle des moralpolitischen Bußpredigers auf, die manchen ärgerte und manchen nur rührte. In den Kriegsjahren redete er den Nazis nach dem Mund, in einigen schlimmen Aufsätzen, die zurückzunehmen seine Größe nicht ausreichte und die sein Fach bis heute belasten. Aber den Nobelpreis, den er 1973 zusammen mit Niko Tinbergen und Karl von Frisch für seine ethologische Pionierarbeit erhielt, hatte er sich dennoch mehr als verdient. D.E.Z.