Sie waren bis Mitte der siebziger Jahre ein Autor, der mit jedem Buch auf der Bestsellerliste erschien. Warum, glauben Sie, ist das anders geworden??

PETER HANDKE: Ich hab’ halt nicht mehr den richtigen Drive. Ich bin nicht mehr schön genug. Der Hüftschwung hat nachgelassen. Aber es stimmt ja nicht ganz. Die „Kindergeschichte“ war noch ein Bestseller. Nur hab’ ich da nicht mehr wie früher mit Neugier in den Spiegel geschaut, an welcher Stelle das steht. Mir kommt vor, meine Sachen werden heute intensiver gelesen als damals, aber sie sind halt nicht mehr in Mode. Also werden sie nicht mehr so viel gekauft.

In einem Gesprach, das wir vor fünfzehn Jahren führten, antworteten Sie auf die Frage nach dem Grund Ihres Erfolges, was Sie schrieben, sei eben Weltliteratur.

HANDKE: Das würde ich nicht mehr sagen. Zur sogenannten Weltliteratur möchte ich nicht gehören. Wenn ein Thomas Mann als der größte deutsche Schriftsteller dieses Jahrhunderts gilt, dann hat doch das Schreiben überhaupt keinen Sinn. Wer dem nachfolgt, ist für mich schon verloren. Gerade vor ein paar Tagen habe ich wieder „Herr und Hund“ von ihm gelesen. Da ist gleich der erste Satz so, daß man spürt, der das schreibt, ist sich dessen gewiß, eine Gemeinde zu haben, die auf seinen bestimmten Tonfall hört. Also er fängt nie wirklich an, sondern schreibt in dem Bewußtsein, daß er der Thomas Mann ist. Das ist doch verwerflich. Ein schrecklich schlechter Schriftsteller ist das.

Auch über Kafka haben Sie sich ablehnend geäußert. In Ihren Aufzeichnungen „Phantasien der Wiederholung“ steht „Ich hasse Franz Kafka“.

HANDKE: Ja, aber das war nur so ein kurzer Impuls. Zu Kafka kommt man immer wieder als zu einer Instanz des Schreibens und des Handwerks zurück, keineswegs aber zu Thomas Mann.

Robert Musil mögen Sie auch nicht.