Nicht nur fanatischen Hundehasserlnnen, sondern auch all jenen, die sich ihre neuen Schuhe mit den Hinterlassenschaften der klaffenden Haustiere, versaut haben, erscheint das Bußgeld zu niedrig – zwischen 20 und 40 Mark, schätzt die Umweltbehörde, dürfte das Maß wohl liegen. Ob sie das beeindrucken wird, die Omas mit ihren Dackeln, die Zuhälter mit ihren häßlichen Kampfmonstern, die Punks mit ihren deutschen Schäferhunden und die Huren mit ihren zahllosen Pudeln? Wohl kaum. Immerhin: Die Gesetzesänderung ist ein Symbol, ein legislatives Dankeschön an die, denen Arsen und Schrotgewehre lediglich im Kopf als adäquate Mittel zur Gegenwehr erscheinen – wenn es unter der Schuhsohle Pflatsch macht.

Axel Kintzinger in „taz Hamburg“ zu einer neuen hansestädtischen Bußgeldverordung

Hans Hellmut Kirst

„Ich habe an ein Deutschland geglaubt, das identisch mit Hitler gewesen ist“, erkannte der Berufssoldat Kirst bei Kriegsende. Mit achtzehn war er 1933 in die Reichswehr eingetreten, hatte alle Feldzüge mitgemacht und alles verloren. Die Welt, in die er 1945 entlassen wurde, kannte er nicht wieder. Er schlug sich mit Hilfsarbeiten durch und landete schließlich als Feuilletonredakteur bei einer Vorform des Münchner Merkur. Kaum war er halbwegs etabliert, drängte es den durch Krieg und Nationalsozialismus nachhaltig Geschädigten dazu, die Jüngeren vor einem ähnlichen Sündenfall zu warnen. Seine gut dreißig Romane handeln deshalb fast alle vom Krieg, vom Durchkommen, vom Verführtwerden. Sie gaben, als schon alles längst vorbei war, noch einmal denen Recht, die seinerzeit versagt und mit schlechtem Gewissen mitgemacht hatten. Kirst propagierte als seine Variante des Schwejk den „grauen Helden“, der kein Nazi ist, sich aber trotzdem irgendwie durchmogelt und damit halbwegs sauber bleibt. Dieser Schlawiner, der im Welterfolg „08 / 15“ Asch hieß und in der Verfilmung des Romans unausweichlich von Joachim Fuchsberger gegeben wurde, war der bessere Deutsche. Mit ihm erleichterte Kirst nachträglich sein Gewissen, für seine Leser aber war Asch nur ein lustiger Vogel, der sie von den Nazis, also auch von sich, entlastete. Wahrscheinlich war Kirsts Erfolg nur ein gigantisches Mißverständnis, aber wenigstens haben seine Bücher ihm geholfen. Am vergangenen Donnerstag ist Hans Hellmut Kirst, der im Ausland erfolgreichste deutschsprachige Autor, 74 Jahre alt, in Bremen gestorben.

Niemandsland

Es gibt noch einen Streifen unberührten Landes im dichtbesiedelten Ostwestdeutschland, er ist nicht breit genug für Haus und Garten, aber allemal lang genug für ausgedehnte Wanderungen. Niemandsland, eine „Zeitschrift zwischen den Kulturen“, ist ein Ort für Wanderer, aber eben nicht für Auswanderer, sondern solche, denen es just dieser schmale Streifen zwischen Ost und West angetan hat. Das Heft wird seit einem Jahr im Westen gedruckt und verkauft, aber auch im Osten geschrieben und gelesen. Aufsätze, Geschichten, Interviews, Graphiken, Photos, Karikaturen aus Ost-West, die in ihren besten Exemplaren vergessen lassen, daß man nur hier oder drüben leben kann. Niemandsland setzt außer Kraft, was man bisher über die sauber getrennten Siedlungsgebiete der ostwestdeutschen Denker zu wissen glaubte. Sogar ein Genosse Philosophie-Professor von der Humboldt-Universität ist im nächsten Heft mit einem Nietzsche-Aufsatz dabei. Dieses Neben- und Gegeneinander derer, die rüber kamen, mit jenen, die dablieben und denen, die schon immer hier waren, ist nicht nur für DDR-Behörden verwirrend. Das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, das seine Zuwendungen für Niemandsland mit der Begründung eingestellt hatte, von dieser Sorte Publikationen gäbe,es schon mehrere, bewilligte nun immerhin den Zuschuß für das nächste Heft. Allen Gerüchten zum Trotz wird sich zumindest noch dies eine Mal das Niemandsland bevölkern.

Letzte Meldung

Lange nach Redaktionsschluß ereicht uns (Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs) eine „Pressemitteilung“ der Klaus J. Stöhlker AG Unternehmensberatung für Öffentlichkeitsarbeit, die wir nicht in ihrer ganzen erregenden Länge, wohl aber in ihrer drängenden Schlußpassage unseren Lesern doch noch zur Kenntnis bringen möchten: „Schüler, Lehrer und die zahlreich erschienenen Freunde des Lyceum Alpinum Zuoz dankten Hermann Burger mit warmem Applaus und kauften den reichlich dotierten Büchertisch kurzerhand leer. Mit seinem Vortrag hat der Schweizer Schriftsteller einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte des Speakers Club des Lyceum Alpinum Zuoz gesetzt, in welchem bereits der Unternehmer Branco Weiss, der Ehrenpräsident der Schweizerischen Bankgesellschaft, Dr. Robert Holzach, und der Ausbildungschef der Armee, Korpskommandant Rolf Binder, zu wichtigen Zeitfragen Stellung genommen haben.“ Wir berichten weiter.