Von Matthias Horx

Man sieht ihm an, daß er viele Jahre Wind und Sonne ausgesetzt war. Sein Gesicht ist gegerbt, als käme er geradewegs aus einer Hemingway-Verfilmung, und in seinen Augen blitzt jener Humor und jene Intensität, wie sie den chronischen Wahrheitssuchern zu eigen ist: Harald Korke, 58 Jahre alt.

Korkes Biographie scheint aus dem Bilderbuch der Sozialgeschichte, Abteilung „Aussteiger, echte“, zu stammen: 1968 verdiente er als Werbeberater und Cheftexter in Düsseldorf sehr viel Geld. Doch ihn packten Zweifel am Sinn des Lebens und der Zukunft der Zivilisation. Und so machte er Ernst mit den Plänen vom Anderen Leben. 1974 zog er mit seiner Frau und drei Töchtern auf die Kanareninsel La Palma.

Das Leben ist ein Roman, und so kam es, wie es kommen mußte. Die Ehe ging schon bald in die Brüche, Korke verliebte sich neu. Er lernte den Haus- und Gartenbau, segelte zwischendurch in die Karibik – und holte sich Stück für Stück die obligatorischen Frustrationen und Desillusionierungen mit dem idyllischen Alternativ-Leben. Im Lauf der Jahre flohen auch die Töchter vom Eiland zurück in die Städte, und dieser Tage kehrte auch Harald Korke nach Deutschland zurück – nach 15 Jahren Aussteigerleben.

Vielleicht wäre das fünfzehnjährige Abenteuer tatsächlich gut zu Ende gegangen, wenn Harald Korke nicht ein Buch über das Leben auf der Insel geschrieben hätte. „Noch ein verdammter Tag im Paradies“ nannte Korke seine Sammlung von witzigen, literarisch exzellent geschriebenen Kurzgeschichten, die im Herbst vergangenen Jahres von dem kleinen deutschen Konkursbuchverlag auf den Markt gebracht wurde. Dort blieb das Buch nahezu unbemerkt. Nur auf der Insel nicht, von der es handelt.

„Am 30. Dezember“, erzählt Korke, „kam plötzlich ein Anruf: ‚Deine Finca brennt!‘ Als ich ankam, war schon alles zu spät. Es war eine völlig absurde Situation: Einige Leute vom Roten Kreuz, einige Polizisten und einige Deutsche standen tatenlos um die Trümmer herum. Die Feuerwehr hatte zwar einen Löschwagen in der Nähe, aber der war angeblich nur für Waldbrände geeignet.“ In den Trümmern des Bauernhauses fand man Ofenanzünder und eine unverbrannte Ausgabe der Herald Tribüne.

Es war Glück im Unglück: Die Finca stand leer und zum Verkauf, Korke war vor einigen Monaten in ein kleineres Haus umgezogen. Doch wer konnte es gewesen sein? „Ich merkte schon bald“, sagt Korke, „daß eine Menge Leute auf der Insel sauer über das Buch waren. Einheimische wie Deutsche.“ Manche fanden es „eine Sauerei“.