"Und wie wird man da fündig?" Max von Baden wird eine Annonce aufgeben. Eine Fülle von Zuschriften erhielt er bereits, "als der Krach losging". Da schreiben Lehrer: Wenn Sie mich brauchen, bin ich da. Einer schickte seinen Lebenslauf, in welchen Schulen er schon gewesen ist, und daß er in Afrika eine Missionsschule aufgebaut hat. Er würde sich freuen, schließt der Kandidat seine Bewerbung, auf Schloß Salem unter Seiner Königlichen Hoheit arbeiten zu dürfen.

Und welche Qualitäten sollten die neuen Lehrer haben? "Wenn ich von der Persönlichkeit ausgehe, dann sollten die Lehrer Vorbild sein durch ihre Persönlichkeit, durch Studium und Erfahrung. Eine Persönlichkeit ist jemand, der von sich aus jemand ist." Wie ermittelt man den Grad der Lehrerpersönlichkeit? "Im Einstellungsgespräch höre ich, wer überhaupt gewillt ist, so etwas zu probieren. Und dann kommt noch die Probezeit dazu." Und weiter: "Es ist ja eine handwerkliche Arbeit, die wir von den Herrschaften erwarten, und nicht ex cathedra. Die müssen mit den Kindern umgehen können. 24 Stunden und noch die Nacht und die Wochenenden." Seine eigenen Kinder gingen auch in die Schloßschule, zeitweise wenigstens.

Seine Königliche Hoheit erinnert sich: "Sie wurden sehr früh Zimmerführer. Nach einiger Zeit sagten sie, wozu die Verantwortung, wenn andere auch keine Verantwortung haben wollen? Dann haben sie ihre Ämter einfach hingeschmissen."

Auf die vorsichtige Frage nach der Pubertät erinnert sich Max von Baden auch noch daran: "Das Wort Pubertät gab es zu meiner Zeit noch gar nicht. Wir bekamen in jedem Semester ein anderes Amt. Wir haben nicht rebelliert, wir haben die Lehrer nicht umgebracht, keine Scheiben eingeschlagen. Wir haben unseren Sport gemacht und riesige Geländespiele. Die Freiheiten von heute gab es damals nicht.

Bei meinen Kindern wurden schon Ämter gewählt, die wurden bei uns früher von der Zeitung verteilt. Meine Kinder mußten sich kümmern, daß sie gewählt wurden. Es wurde Demokratie zu einem Zeitpunkt geübt, wo die Kinder noch gar kein Demokratieverständnis kennen. Das heißt, die Kinder, die sich Mühe geben, werden immer gewählt. Und die anderen hocken als Passagiere mit drauf. Und da sagen die Elfjährigen, warum denn? Und dann lassen sie sich nicht mehr aufstellen."

Seine Königliche Hoheit ist recht verärgert. Seine Kinder haben längst die Schule gewechselt. Er sagt: "Früher gab es bessere Kontrollen. Da standen noch die Namen in den Schulanzügen. Da konnte man erkennen, wer zu Unrecht einen fremden Anzug trägt. Dafür gab es Laufstrafen. Hahn hat sehr darauf geachtet, daß Mein und Dein nicht vermischt werden. Und auf einen sauberen Anzug zu achten, das gehört auch zum Leben und zur Ordnung. Das ist doch überall so."

Wird es in der neuen Schule Schulanzüge geben, da sie doch offenbar eine wichtige pädagogische Funktion zu haben scheinen? "Der Schulanzug hatte zwei Funktionen. Die Freistellen-Kinder sollten nicht auffallen. Die andere Funktion war, daß man den Schulanzug erst nach sechs Wochen Probezeit bekam. Und wer sich nicht korrekt benahm, lief auf einmal in Zivil rum, zur Strafe." Für die neue Schule brauche er nur nach England zu fahren. Dort gibt es diese Anzüge, die er meint, wenn auch dort die Charakterbildung, die er für die neue Schule anstrebt, nicht so ausgeprägt ist, wie er es für seine neue Schule wünscht.