"Wenn ich hier sage: Schulanzug, dann sagen die Leute dazu: Schuluniform. In den romanischen Ländern oder in Rio ist das anders, keiner sieht dann, wo die Kinder herkommen. Hier heißt das gleich: schwarze Hose, braunes Hemd, Schulterriemen, richtige Hitlerjungen. Diese Lehrer hier glauben, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gegessen, und dabei haben sie noch nicht mal in die Hosen gemacht, als es Hitlerjungen gab. Das ist hirnverbrannt."

Wer Schuluniform trägt, erklärt Max von Baden, ist nicht nur gleich unter Gleichen, man kann ihn auch erkennen, wenn er ein Fahrrad stiehlt. Solche Vorkommnisse sind in der jetzigen Schule Schloß Salem gang und gäbe, sagt er.

Daß der Schulleiter nicht der richtige sein würde, fühlten er und sein Bruder sofort und votierten gegen ihn. Das ist mittlerweile 15 Jahre her. Die Gefühle hätten sich bestätigt. Ob er das näher erklären kann? "Nicht von der Ausbildung", sagt er, "sondern von der Persönlichkeit her. Irgendwie intellektuell. Man fühlt manchmal: die Person kann es, oder die Person kann es nicht. Was wollen Sie denn mit jemandem, der von Professor Grimms kommt? Der war doch führend, damals. Dann ist er bei Professor Hentig gewesen. Assistent sogar!" Ich frage, ob Hentig eine schlechte Adresse sei. "Jetzt", sagt er, "jetzt, aber damals noch nicht. Da war sie noch nicht so in den Dreck gelaufen, die Schule."

Ich stutze. Max von Baden sagt: "Er war ja auch auf der Odenwaldschule. Wir waren ja bankrott, einfach bankrott zu dem Zeitpunkt. Und da sucht man jemand, einen modernen Herrn, der in all den Sachen drinsteckt. Und der unterhält sich dann mit Hahn, und Hahn sagt, er ist zufrieden und erklärt uns, daß alles so weitergeht, wie Hahn es sich wünscht. Und dann läuft die Sache wieder in den Sand, da bin ich etwas erschüttert." Man sieht dem Markgrafen die Erschütterung an.

Fürchtet sich Königliche Hoheit nicht, den Rückwärtsgang einzulegen und in die zwanziger Jahre zu steuern? "Nein, jetzt gibt es nur noch den Kampf zwischen dem Trägerverein und dem Markgrafen. Den Kampf zwischen zwei bösen Mächten, wenn Sie so wollen."

Ich bin verwirrt, doch der Markgraf hilft mir weiter: "Die eine böse Macht bin natürlich ich."