Waffen oder Frieden“ forderte das Offizierskorps ultimativ. Nach demoralisierenden Niederlagen gegen die Volksbefreiungsarmee (SPLA) im Süden wollte die kriegsmüde Armee des Sudan endlich eine klare Entscheidung von Sadiq al-Mahdi. Der 53jährige Regierungschef und Vorsitzende der Umma-Partei drohte mit Rücktritt, um Zeit zu gewinnen. Nun hat er sich den Forderungen seiner Soldaten gebeugt: Im Rahmen einer Allparteienkoalition sollen Friedensgespräche mit den Rebellen aufgenommen werden. Zu viele Opfer hat der „heilige Krieg“ des islamischen Nordens gegen den christlich-animistischen Süden schon gefordert.

Unlängst war Verteidigungsminister Abdel Khalil zurückgetreten – aus Protest gegen die „Kriegstreiber“ beim einzigen Koalitionspartner NIF, der Partei der radikalen Moslems. Die um Aussöhnung bemühte Demokratische Unionspartei brach hingegen das Bündnis mit der Umma, weil deren Führer Sadiq ihren Friedenspakt mit den Aufständischen ablehnte. Der unentschlossene Regierungschef geriet zusehends ins politische Abseits.

Sadiq al-Mahdi hat im St. John’s College zu Oxford Politik, Ökonomie und Philosophie studiert. Nach Jahren des militanten Widerstandes gegen die Numeiri-Diktatur wurde er durch freie Wahlen 1986 Regierungschef in Khartum. Zwar gelang es ihm, seine eigene Partei zu modernisieren, doch gab er. immer mehr dem Druck der islamischen Eiferer im Lande nach.

Die Offiziere haben dem „großen Zauderer“ nun die Pistole auf die Brust gesetzt. Sie zwangen Sadiq, den Urenkel des legendären Mahdi, der einst die Briten unter General Gordon besiegt hatte, zu einer Weichenstellung, die im Blick auf die Zukunft des durch Wirtschaftskrisen gebeutelten und im Bürgerkrieg ausgebluteten Sudan wieder Hoffnung macht. ill