Was ich zu erzählen habe, ist die Geschichte, die ich erlebte, und nicht meine eigene. Der Photograph bildet ab, er hält fest, sonst nichts.“ Heinrich Hoffmann hat alles festgehalten, was er gesehen hat: die Kundgebung am Odeonsplatz am 2. August 1914, als der Krieg erklärt wurde; Marcel Duchamp; Eva Braun; Kurt Eisner; Freikorpskämpfer; Beamte, die nach dem Sturm auf die Polizeidirektion nach weiterverwendungsfähigen Akten suchen, Heinrich Hoffmann, der spätere Leibphotograph des Führers und Reichskanzlers, hat die Revolution in Bayern 1918/19 treu begleitet und ist mit seinen interesselosen Abbildungen reich geworden. Ihm und seinen weniger erfolgreichen Kollegen ist die Dokumentation der kurzlebigen Münchner Räterepublik zu verdanken. Die Photographie war gerade erst als propagandistisches Instrument entdeckt worden, „Weiße“ und „Rote“ bekämpften einander nicht bloß mit Waffen, sondern auch mit Bildern. Was sich tagsüber auf den Straßen abspielte, war abends schon auf schnell reproduzierten Postkarten nachzuerleben.

In den Zusammenhang der Ausstellung „Fotografie und Revolution – München 1918/19“, die im Münchner Stadtmuseum noch bis zum 12. März gezeigt wird, gehört ein Dokument, das nen Gefreiten Hitler Adolf (wie er sich zackig schreibt) belegt. Am 23. Mai 1919 denunzierte er vor dem Standrechtlichen Vernehmungsbüro den Soldatenrat Dufter. „Dufter war einer der ärgsten und radikalsten Hetzer des Regiments und hat jederzeit für die Räterepublik Propaganda gemacht. In den öff. Versammlungen hat er jederzeit den radikalsten Standpunkt vertreten und für die Diktatur des Proletariats agitiert.“

Daß die „Literatenrepublik“ von München scheitern mußte, war von Anfang an klar. So viel Radikalität war selbst der Reichs-SPD zuviel. Die Reaktion marschierte auf München, der Ministerpräsident Kurt Eisner wurde ermordet, Ernst Toller konnte als einer der wenigen fliehen. 1939 hat er sich in New York selber umgebracht.

Willi Winkler

  • Rudolf Herz, Dirk Halfbrodt:

Fotografie und Revolution – München 1918/19

Verlag Dirk Nishen, Berlin 1988; 326 S., Abb, 58,– DM