Von Frank Drieschner

Braunschweig

Im zweiten Stock feierten junge Leute ein Fest, im Hinterhof bewachte eine Schäferhündin ihre Welpen, als in der Nacht zum 4. Februar dieses Jahres gegen ein Uhr vor dem Haus Altstadtring 23 ein Streifenwagen hielt. Einige Stunden später war die Hündin tot, die Wohnung verwüstet, und die Partygäste waren verhaftet.

Es sei alles ganz ordnungsgemäß vor sich gegangen, erklärte der Polizeipräsident Christoph von Katte. Man habe einen Hinweis auf einen Einbruch bekommen, ein Beamter sei von der Hündin angegriffen worden und habe sie erschießen müssen. Daraufhin hätten sich die Polizisten einer Menschenmenge gegenüber gesehen, die „eine bedrohliche Haltung einnahm“ und sie „massiv körperlich“ bedrängte – „jetzt sahen sich die Beamten genötigt, zur Gegenwehr Reizstoff einzusetzen“.

Es sei zu „Handgreiflichkeiten“ gekommen, eine Bierflasche und Holzlatten seien „in Richtung der Beamten“ geflogen. Inzwischen sei Verstärkung eingetroffen, und „zur gesetzlich vorgeschriebenen Verfolgung der begangenen Straftaten“ habe man die Wohnung im zweiten Stock gestürmt, 24 „Tatverdächtige“ festgenommen und sie – „um die Personalien ungestört feststellen zu können“ – zur Wache gebracht. „Klarzustellen ist, daß die Polizei die Wohnungsdurchsuchung im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen und ohne Sachbeschädigungen durchgeführt hat. Die Beamten berichteten jedoch, daß sie die Wohnung bereits in desolatem Zustand vorgefunden hatten.“

Auf 50 Seiten haben die Besucher der Party ihre Eindrücke festgehalten; einige haben sie in Schönschrift auf die Klassenarbeitsbögen der Schule gemalt, die sie besuchen. Sie beschreiben den Polizeieinsatz als Überfall sadistischer Schläger: „Der Polizist zog sofort seine Gaspistole und brüllte ‚zwei Meter Abstand, zwei Meter!‘ und schoß im selben Moment auf mich und die anderen.“... „Ich fragte einen Polizeibeamten nach dem Grund der Vorkommnisse, worauf er mir ohne Antwort Gas aus ca. 30 cm Entfernung in den Mund, in die Nase und die Augen sprühte.“... „Eine große Anzahl von Polizeibeamten stürmte unter Rufen wie: Jetzt raus, aber schnell‘ in Flur und Wohnung und begann sofort, mit Schlagstöcken auf die anwesenden Gäste einzuschlagen.“

„Da meine Augen ab jetzt stark tränten, konnte ich meine Umgebung im Folgenden nur noch sehr schemenhaft erkennen. Die zwei Polizeibeamten, die mich abführten, lachten und begannen, mich die Treppen zum Hof hinunterzuschubsen.“ ... „Der Treppengang war wie ein Spießrutenlauf, Die Polizisten schlugen mit langen Schlagstöcken auf mich ein.“ ... „Der Zivilbeamte sagte wörtlich zu mir: ‚Du bist zu langsam, und ich habe das Gas.‘ Darauf drückte er mir sein Reizstoffsprühgerät ca. zwei cm schräg oberhalb des linken Auges direkt auf den Kopf und begann zu sprühen.“ .. „Ungefähr sechs Beamte brachten ihn zum Fallen, dann bearbeiteten sie ihn mit Händen und Knien.“ ... „Ich bekam nur immer wieder gesagt, daß ich den Mund halten solle.“ ... „Als ich wieder besser sehen konnte, bekam ich mit, wie Zivilpolizisten einen Freund von mir, dessen Gesicht schon stark blutete, mehrmals mit dem Kopf gegen ein Garagentor schlugen.“ ... „Hierbei fiel der Spruch: ‚Hau doch ab, dann geht’s dir wie dem Köter.‘“ ... „Niemand der 15 Beamten, die ich fragte, nannte mir seine Dienstnummer.“ ... „Bei der Fahrt zur Wache auf der Münzstraße hatten wir alle Handschellen an.“ „Schließlich sah ich durch die Lüftungsschlitze meiner Zellentür eine auf dem Boden liegende Person sowie die Füße eines Polizisten, der in die Person hineintrat.“ „Sie waren mehr oder weniger blutig geschlagen.“ ...