Von Stefan Stremel

Es war im Kontakthof des alpinen Skizirkus bei der Weltmeisterschaft in Vail/Colorado. Die Schlepper, deren Aufgabe es ist, die Sieger aus dem streng bewachten Innenraum am Ziel an den Zaun zur wartenden Pressemeute zu zerren, mühten sich an diesem Tag lange vergeblich. Der Mann, den sie herbeischleppen sollten, zierte sich. Weltmeister in der Abfahrt war er geworden, sensationellerweise, überraschend, unerwartet – für die einen. Die Inhaber höherer alpiner Weihen, die Experten-Nasen, hatten es natürlich längst gewittert.

Hansjörg Tauscher blieb im Hintergrund, noch Wochen nach dem Sieg. Der 21jährige Oberndorfer, der im Zielraum die erste Stellungnahme erst abgab, nachdem Startnummer 40 abgehakt war, sagte auch später nicht viel. Die Geschichten über den Nobody entstanden weitgehend ohne seine Mithilfe. In Oberstdorf wundert sich seine Mutter noch immer darüber, welchen „Krampf“ da viele geschrieben haben.

Einmal Schnellster – und alles wird anders? Der Rollentausch vom hoffnungsvollen Nachwuchsmann zum Weltmeister dauerte zwei Minuten und 10,39 Sekunden. „Da brauche ich Tage und Monate, bis ich das begreifen kann“, hat er nach dem Sieg mehrmals gesagt. Mittlerweile hat der Erkenntnisprozeß jedoch Fortschritte gemacht. Zahlreiche Phototermine galt es zu absolvieren, inklusive ein feierlicher Empfang seiner Heimatgemeinde Oberstdorf.

Sieger, das erfährt auch Tauscher in diesen Wochen, haben nur Freunde. „Da stürmen Leute auf einen ein, die man sonst nie sieht.“ Manche Funktionärshand ruht nun aus auf der Schulter des 21jährigen, und mancher Geschäftemacher drängt sich nach vorn.

Darum, daß auch Tauscher ins Geschäft kommt, kümmert sich inzwischen der Österreicher Harti Weirather, einst selbst Abfahrtsweltmeister und nun Teilhaber einer Sportvermarktungsfirma. Doch ob auf den Titel wirklich die großen Einkünfte folgen, ist fraglich. Im Gegensatz zum Beispiel zu dem Medienliebling Markus Wasmeier, dessen sportliche Erfolge bei der WM seiner Werbe-Wirkung hinterherhinken, wirkt Tauscher eher sperrig.

Dabei ist er alles andere als ein in sich gekehrter Einzelgänger. Wortkarg gibt er sich gegenüber Fremden. „So isch es“ oder „des kann man so net sagen“ sind bei diesen Gelegenheiten Tauschers Standardformulierungen. Andererseits ist das Einzelkind aus dem Weiler Schwand im Stillachtal hinter Oberstdorf ein manchmal ausgelassener Unterhalter.