„Die Waffen der Frauen“ von Mike Nichols

Wenn man von Staten Island hinüberschaut nach Manhattan, spürt man diese Sehnsucht: Dort drüben, an der Wall Street, muß das Reich der Wünsche beginnen. Amerikanische Märchen spielen nicht hinter den sieben Bergen, sondern über dem siebzigsten Stockwerk.

Ein Aschenbrödel in New York: Tess McGill (Melanie Griffith) kommt aus Staten Island und arbeitet in Manhattan als Sekretärin. Sie hat was gelernt auf der Abendschule, sie kann schuften wie ein Tier, und sie ist klug. Aber wenn sie den Mund aufmacht, hört jeder gleich die Mieze aus der Unterschicht. Und wenn sie sich feinmacht, entspricht sie allenfalls dem Ideal der Vorstädte: So eine macht keine Karriere unter den Reichen und Mächtigen. Als aber ihre Chefin für zwei Monate nach Europa fährt, da nimmt sich Tess die Chance, die ihr keiner geben will. Sie leiht sich die Kleider der Dame und ihre Wohnung. Sie lernt den schnöseligen Tonfall und die arroganten Manieren. Sie borgt sich ein Leben, und irgendwann wird sie ihre Schulden bezahlen. Es ist der nackte Klassenkampf: „Die Waffen der Frauen“ – das ist ganz wörtlich gemeint.

Der Film macht uns nicht klüger und er bringt die Kinematographie keinen Schritt weiter. Amerikaner reden von affection, wenn sie einen Film einfach lieben. Das kann man nicht übersetzen. Man spürt es, wenn Melanie Griffith aus durchsichtig grünen Augen in die Kamera schaut und dann ganz unpathetisch sagt: „I have a mind for business and a body for sin.“ Claudius Seidl

„Verraten“ von Constantin Costa-Gavras

Eine Liebesgeschichte, die keine ist. Mit einem netten Mädchen vom Lande und einem hart arbeitenden Farmer, die beide nicht sind, was sie zu sein scheinen. In einem Melodram, das keines ist. Was immer Costa-Gavras erzählt, er erzählt es verkehrt herum. Ein Negativfilm also. Eine FBI-Agentin spioniert einen des Mordes verdächtigen Farmer aus und verliebt sich in ihn. Bis sie herausbekommt, daß er nicht nur das ist, wofür ihn das FBI hält, sondern etwas noch viel Schlimmeres: ein Rassist, der bei nächtlichen Jagdausflügen mit seinen Kameraden Schwarze zu Tode hetzt. Sie muß fürs FBI den Schein aufrecht erhalten und die Sache bis zum bitteren Ende durchstehen, Liebe heucheln, wo nur noch Haß, Ekel und Verachtung existieren. Ein Film, der amerikanische Tugenden in Terror verkehrt, der neuen Faschismus anklagt – und der sich selbst verrät. Ausgerechnet Debra Winger und Tom Berenger, dieses durch und durch amerikanische Paar, spielen die Hauptrollen. Aber es gibt in diesem Film kein Mitgefühl für sie, keinen Raum zum Atmen. Der Film packt einen, aber er wühlt nicht auf. Was allein „Verraten“ etwas aufhellt, sind die wunderbaren Bilder des Kameramanns Patrick Blossier, der auch schon Agnes Vardas „Vogelfrei“ photographiert hat. Michael Althen

„Eine Handvoll Staub“ von Charles Sturridge