Kinder und Jugendliche als wehrlose Opfer staatlichen Terrors – dieses Schreckensbild zeichnet ein Bericht von amnesty international über den Irak. Die Gefangenenhilfsorganisation listet detailliert Beispiele für die Ermordung, Folterung und willkürliche Verhaftung von jungen Irakern auf und appelliert an die UN-Menschenrechtsorganisationen in Genf, gegen das Regime von Präsident Saddam Hussein eine Untersuchung einzuleiten.

Systematisch würden Kinder von irakischen Behörden „als Geiseln gequält“, um ihre Eltern einzuschüchtern, Geständnisse von ihnen zu erpressen und sie zu zwingen, von oppositionellen Gruppen abzuschwören, berichtet amnesty. Das jüngste Opfer war ein fünf Monate alter, hungernder Säugling: Vater und Mutter mußten hilflos hören, wie ihr Baby in der Nachbarzelle verzweifelt nach Milch schrie.

Der Menschenrechtsorganisation sind aus irakischen Gefängnissen „mindestens 30 Foltermethoden“ bekannt. Kinder werden geschlagen, ausgepeitscht, sexuell mißbraucht und mit Elektroschocks malträtiert. Zahllose Mädchen und Jungen seien hingerichtet worden. Die staatliche Grausamkeit endet nicht einmal mit dem Tod: Verwandte müssen horrende „Exekutionsgebühren“ zahlen, bevor sie die Opfer bestatten können.

Ausführlich untersuchte amnesty das Schicksal von 300 kurdischen Schülern, die 1985 in Sulaimaniya verhaftet wurden. Mindestens 29 von ihnen wurden hingerichtet. Die übrigen harren entweder unter elenden Bedingungen in Gefängnissen aus oder gelten vorerst als „Verschwundene“.

Der Bericht erinnert auch an die irakischen Giftgaseinsätze gegen Kurden: Als im vergangenen Jahr mehrere hundert Frauen und Kinder aus Halabja flohen, wurden sie von der Armee abgefangen, interniert und in der Garnison von Tanjaro von Exekutionskommandos am 2. April erschossen. cw