Allmählich werden selbst die überzeugtesten Anhänger des amerikanischen Präsidenten nervös. Beinahe die Hälfte jener magischen hundert Tage ist verstrichen, die einem neuen Mann im Weißen Haus Wohlwollen und Schonung verheißen. Doch George Bush kommt nicht von der Stelle. Statt die Dynamik des Starts zu nutzen und deutliche Akzente seiner Präsidentschaft zu setzen, muß er sich mit Personalproblemen herumschlagen.

Die Inquisition des designierten Verteidigungsministers Tower ist bloß der spektakulärste Fall. Was der Senat mit dem trinkfreudigen Frauenfreund anstellt, läßt sich beliebig oft wiederholen. An Prüflingen fehlt es den Sittenwächtern auf dem Capitol nicht, denn noch müssen vor ihnen Dutzende von potentiellen Führungskräften des State Department, des Pentagons und anderer Ministerien den Anstandstest bestehen. Die Folge: Die Administration ist weithin kopflos und dementsprechend handlungsunfähig.

Der Präsident hat sich das Dilemma hauptsächlich selber zuzuschreiben. Er ist zum Opfer seines Anspruchs auf einen höheren ethischen Maßstab in der Regierung geworden. Nun droht nicht nur die versprochene Aura der Anständigkeit frühzeitig Schaden zu nehmen. George Bush läuft auch die kostbarste Zeit seiner Präsidentschaft davon.

D. B.