Der wachsende technologische Rückstand der DDR gefährdet den innerdeutschen Handel

Von Harry Maier

Der Handel zwischen den beiden deutschen Staaten stagniert. Dies gerade zu einer Zeit, in der die Diskussion um die Perspektiven der deutsch-deutschen Beziehungen neu entbrannt ist. Leider münden solche Debatten allzu oft in schwärmerische Hoffnungen oder in resignativer Hinnahme des Bestehenden. Es ist höchste Zeit, diese Diskussionen wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Auch bei den deutsch-deutschen Beziehungen entscheidet letztlich die ökonomische Basis darüber, was im politischen Überbau möglich wird.

Nach fast zwei Jahrzehnten ununterbrochenen Wachstums geht der Handel zwischen beiden deutschen Staaten zurück. Von 1968 bis 1985 hatte sich das Handelsvolumen von 2,9 auf 15,5 Milliarden Mark mehr als verfünffacht; die durchschnittliche Wachstumsrate betrug elf Prozent. Dagegen ging der Handel 1986 um acht Prozent, 1987 um 1,7 und 1988 um zwei bis drei Prozent zurück.

Dabei ist das politische Umfeld besser denn je. Offensichtlich reicht jedoch allein der gute Wille nicht aus; Struktur und Mechanismus des innerdeutschen Handels müssen sich grundlegend ändern, damit er „als wichtiges stabilisierendes Element der Gesamtbeziehungen“ funktionieren kann, wie es im gemeinsamen Kommuniqué anläßlich des Besuchs des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker in der Bundesrepublik im September 1987 geheißen hatte.

Ohne Zweifel ist die traditionelle Struktur des innerdeutschen Handels für zwei hochentwickelte Industrieländer höchst ungewöhnlich: Die Lieferungen bestehen seit über drei Jahrzehnten überwiegend aus Roh- und Grundstoffen. So kamen etwa 1985 die Bezüge der Bundesrepublik aus der DDR, einem rohstoffarmen Land, zu 59,7 Prozent aus dieser Warengruppe. Ihr Anteil an den Lieferungen der Bundesrepublik war mit 58,2 Prozent etwa gleich groß.

Erst mit dem Ölpreisverfall seit 1986 änderte sich diese Zusammensetzung etwas. Der Anteil der Mineralölprodukte an den Käufen der Bundesrepublik sank von 22,1 (1985) auf 13,6 Prozent (1987); der Anteil der Roh- und Grundstoffe insgesamt ging auf 51,8 Prozent zurück.