Ludwigshafen: „Leon Polk Smith“

Smith ist über achtzig, und dies ist seine erste Retrospektive. Er ist einer der Hauptdarsteller der amerikanischen Hard Edge-Malerei und dennoch ein Außenseiter geblieben, nicht zu übersehen, doch auch nicht übermäßig bekannt. Im ländlichen mittleren Westen, in einem Indianerterritorium geboren („Pioniere“ und, was er betont, Indianer waren seine Vorfahren), kam er spät mit moderner Kunst in Kontakt, nicht zuletzt hat Mondrian ihn beschäftigt. Der Konstruktivismus war Smiths Weg zu einer dynamischen Wechselbeziehung von Figur und Grund, wie sie sich in den vexierbildhaften Sprüngen von „Black-White Repeat“ (1952) darstellt. In den folgenden Tondi und dem Zyklus „Correspondences“ sind es schon auch kurvige Elemente, die Räumlichkeit suggerieren; eine einzige lineare „Handlung“ reicht schließlich aus, um einen Bildraum von dramatischer Großzügigkeit zu definieren. An dieser inneren Grenze teilt sich die Fläche zur zweifarbigen Doppelgestalt. „Während ich diese Linie zeichne, scheint es, als ob ich viele, viele Meilen im Raum zurücklegte“, sagt Smith. Bisweilen koppelt er bis zu einem Dutzend Leinwände aneinander. In den Arbeiten der späteren „Form Space Series“ wird der Raum zwischen den farbigen Kompartimenten, die nun als unabhängige, monochrome Tafeln auftreten, zu einem aktiven Bestandteil der Konzeption. Noch einmal wird deutlich: Was für Leon Polk Smith zählt, ist nicht die einzelne Form, sondern die Interaktion, die permanente Bewegung, die dynamische Öffnung. Der Enthusiasmus, mit dem er daran arbeitet, und die emotionale Wirkkraft seines Raumbilds erinnern am Ende doch an die Großen des Abstrakten Expressionimus’, zu deren Generation er gehört. (Wilhelm-Hack-Museum bis zum 27. März; Katalog 48 Mark) Volker Bauermeister