Von Arrigo Levi

ROM. – Wird der Eurokommunismus nach der „Gorbatschow-Revolution“ blühen oder welken? Als die Moskauer Zeitschrift Kommunismus in der ersten Ausgabe dieses Jahres einräumte, der einstige KP-Chef Berlinguer und die Kommunisten Italiens (PCI) hätten schon 1981 völlig zu Recht von der „Erschöpfung der Oktoberrevolution“ gesprochen, da hätte man erwarten können, die Kommunistische Partei Italiens (PCI) werde von diesem Eingeständnis profitieren können.

Wenn sowjetische oder osteuropäische Kommunisten radikale Reformen planen, die im Ergebnis das „kommunistische Modell“ in die Nähe westlicher, demokratischer und kapitalistischer Gesellschaftsformen rücken, dann müßte es eine westliche kommunistische Partei theoretisch leichter haben, in ihrem Land als überzeugte demokratische Partei akzeptiert zu werden. Dann wäre eine „demokratische, kommunistische Partei“ nicht länger ein Widerspruch in sich und könnte auf mehr Wähler hoffen.

Aber stimmt das wirklich? Die nachlassenden Wahlerfolge der PCI, die immerhin rund ein Drittel aller westlichen kommunistischen Parteimitglieder vereint, scheinen eher das Gegenteil zu beweisen. Ihre besten Ergebnisse erreichte die PCI während der Wahlen von 1976; damals erhielt sie 34,4 Prozent der Stimmen. Dann aber begann der Abstieg. 1983 waren es noch 29,9 Prozent, 1987 sogar nur 26,6 Prozent. Bei den Kommunalwahlen 1981 landete die Partei auf einem für sie katastrophalen Tiefpunkt: Nur 21,9 Prozent der Wähler wählten PCI.

War das nun der „Gorbatschow-Effekt“? Die Wahlanalysen stimmten darin überein, daß die weltweite Krise des Kommunismus der PCI erheblich geschadet hat. Warum eine Ideologie wählen, die sich selbst zum Verlierer erklärt? Viele linke Wähler verließen die PCI und stimmten – mit über 18 Prozent – für die Sozialistische Partei von Bettino Craxi. Selbst kommunistische Kommentatoren fürchteten, nun könnte die „große Welle“ des Sozialismus auch Italien erreichen und Craxi zum Sieg verhelfen, wie vorher schon Mitterrand in Frankreich.

Doch der Schock der Niederlage veranlaßte die PCI zu einigen radikalen Neuerungen. Ein neuer, jüngerer Mann, Achille Occhetto, übernahm die Führung und kündigte eine weitere „Verwestlichung“ der Partei an, die unter Berlinguers Eurokommunismus begonnen hatte. Occhetto gab sogar Reagansche Töne von sich, als er von den Fehlern des „interventionistischen Staates“ sprach, der „gezähmt und unter Kontrolle gebracht“ werden müsse. Mit einer kräftigen Dosis Reformismus will Occhetto, wie er selbst erklärt, in absehbarer Zeit einem linken Bündnis in Italien zum Sieg verhelfen. Immer wieder fordert er den sozialistischen Parteiführer Craxi auf, die Koalition mit den Christdemokraten zu verlassen und sich den Kommunisten anzuschließen, um einer „linken Alternative“ den Weg zu ebnen (auch wenn es im Parlament noch keine Mehrheit dafür gibt).

Occhetto verfolgte diese Strategie mit überraschender Hartnäckigkeit. Immer wieder ging er in die Offensive. Er nutzte den Protest der Gewerkschaften gegen einen mäßig restriktiven Haushaltsplan, um Craxi zu einer Machtprobe mit Premierminister De Mita zu zwingen; in der Tat wurde das Budget überarbeitet. Die PCI steuerte den Angriff der Gewerkschaften gegen angeblich gewerkschaftsfeindliche Praktiken des Automobilkonzerns Fiat. Die Partei lancierte einen höchst demagogischen Vorschlag zur Verringerung des Wehrdienstes und stellte sich in der Libyen-Krise automatisch gegen die Vereinigten Staaten.