Damit hat Occhetto zwar der resignierenden Parteispitze ebenso wie dem Parteivolk neuen Mut gemacht. Vielleicht, so mutmaßen auch nichtkommunistische Beobachter, ist die PCI doch nicht zum Niedergang verdammt, anders als die Kommunistische Partei Frankreichs. Die kommenden Europawahlen werden zeigen, ob sich Occhettos Taktik auszahlt.

Aber selbst wenn die PCI nach der Wahl ein Comeback feiern sollte, würde das niemand der "Gorbatschow-Revolution" zuschreiben. Vielmehr nimmt das eingestandene Versagen des Kommunismus in der Sowjetunion (und in der übrigen Welt) die italienischen Wähler eher gegen eine Partei ein, die sich kommunistisch nennt. Ihre hauptsächliche Stärke liegt darin, daß sie als einzige wirkliche Oppositionspartei Italiens gilt. Eine linke, prinzipienlose, demagogische und antiamerikanische Oppositionspartei jedoch – davon gibt es auch noch andere im Westen.

So liegt denn hier keine Hoffnung für die "alten Getreuen", die unentwegt davon träumen, der Kommunismus hätte im Westen doch noch eine Zukunft.

  • Arrigo Levi, einer der bekanntesten Journalisten Italiens, arbeitet für die Tageszeitung Corriere della Sera.