Ein Engländer in New York: Henderson Dores, der schüchterne Fachmann für Impressionisten, ist seiner angepaßten europäischen Vergangenheit entflohen, um in den Vereinigten Staaten locker, lässig und unverwundbar zu werden. Angestellt bei einem aufstrebenden Auktionshaus mit einem Büro in der Park Avenue, ist er wild entschlossen, die Neue Welt zu lieben. Ein eifriges Bemühen – kompliziert nur durch Hendersons noch größere Fähigkeit, kein Fettnäpfchen auszulassen. So gleicht er einem Urenkel des Ritters von der traurigen Gestalt, kämpft nicht nur im Fitness-Club mit schwerem Säbel, sondern nimmt es auch auf mit exotischen Menükarten, vermeintlichen Straßenräubern und seiner eigenen Unentschlossenheit gegenüber zwei angebeteten (aber leider äußerst selbständigen) Frauen. Das richtige Abenteuer beginnt mit dem Auftrag, einem kauzigen Südstaaten-Millionär seine wertvolle Impressionisten-Sammlung zu entlocken.

Wie einst Alice bei ihrem Sturz durch das Kaninchenloch, purzelt Henderson in ein seltsam perverses Wunderland. Luxora Beach, die Residenz des Millionärs Loomis Gage, ist ein verlassener Flecken irgendwo zwischen Georgia und Alabama, wo nichts ist, was es zu sein scheint.

Loomis ( nomen est omen) droht der Bankrott. Zwar sind die Bilder, die er in den zwanziger Jahren, als er in Paris mit „Hem und Scotty und Alice und Pablo“ verkehrte, billig einkaufte, echt. Die Menschen aber, denen Henderson bei ihm begegnet, scheinen allesamt Fälschungen zu sein: Der fromme Prediger und Hausfreund entpuppt sich als geiler Schürzenjäger, der ehemalige Vietnamkämpfer hat niemals sein Dorf verlassen, die „blinde“ Tochter hat als einzige den Durchblick, und die konkurrierenden New Yorker Galeristen erweisen sich als Mafiosi.

Spätestens jetzt sollte der Leser merken, welch grandiosen Spaß sich William Boyd, der junge britische Autor, geleistet hat: Er spielt mit (nationalen) Bildern, jongliert amerikanische Wahrnehmungen, baut darunter ein Netz aus literarischen Anspielungen und federt ab vom doppelten Boden aus Witz und Ironie.

Und wenn Henderson dann nach ausführlichen persönlichen und geschäftlichen Desastern, aus seinem Job gefeuert, aber immer noch auf der Flucht vor rachsüchtigen Mafiosi, wieder in New York landet, hat er endlich die Chance, ein Held der Neuen Welt zu werden.

Er schafft es, seinen Verfolgern, die ihn nur mit Schuhen bekleidet eingesperrt hatten, zu entkommen, bastelt sich aus einem Karton für Damenbinden einen Lendenschurz und joggt durch das regendurchpeitschte nächtliche New York: „Natürlich, wurde sich Henderson plötzlich mit einem leisen Hochgefühl bewußt, sie halten mich für verrückt... Es war ein Moment wahrer Befreiung.“

Ein Gefühl, das sich noch steigert, als er feststellt, „daß er effektiv unsichtbar war in dieser Stadt... (er) paßte – endlich – perfekt dazu.“ Henderson erlebt die Apotheose seiner Schmach und Schande – und der Leser, wenn er sich dann die Lachtränen aus den Augen gewischt hat, mag erraten, was Boyd mit seiner satirischen Parabel sagen wollte.